Wenn pflanzenbasierte Küche Luxus kann

Best Practices aus Kreuz- und Flugfahrt
© Emirates
© Emirates
Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
29. April 2026 | 
Alexandra Gorsche

Dass pflanzenbasierte Konzepte längst nicht mehr im Widerspruch zu Fine Dining, Inszenierung und kulinarischer Exzellenz stehen, zeigt aktuell auch ein Blick auf die internationale Hospitality-Spitze.

Gourmetkonzepte auf See: Hapag-Lloyd Cruises

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert Hapag-Lloyd Cruises, die mit neuen vegetarischen – auf Wunsch sogar veganen – Gourmetkonzepten auf See neue Maßstäbe setzen. Im Zuge der Neupositionierung des Luxusschiffes EUROPA wurde das Spezialitätenrestaurant Pearls als erstes Kaviarrestaurant auf hoher See neu gedacht. Neben klassischen Kaviar-Interpretationen umfasst die neue Karte nun auch 15 eigenständige vegetarische Kompositionen, die auf Wunsch vollständig vegan zubereitet werden. Serviert werden sie in drei siebengängigen Menüs – inklusive Amuse-Bouche und Dessert – und stehen den klassischen Varianten in Anspruch, Präzision und Erlebnisqualität in nichts nach.

Der Clou: Der sogenannte vegetarische Kaviar entsteht mittels Sphärifizierung, einer Technik aus der Molekularküche, bei der aromatisierte Flüssigkeiten zu perlenartigen Elementen verarbeitet werden. Die pflanzlichen „Perlen“ – etwa aus Yuzu, Safran-Tapioka, Chili-Paprika oder Granny Smith – liefern Textur, Eleganz und Tiefe, ohne auf tierische Produkte zurückzugreifen. „Wir wollten zeigen, dass Genuss und Raffinesse keine Frage bestimmter Produkte sind, sondern der Idee dahinter“, erklärt Timon Lohrengel, Senior Corporate Executive Chef von Hapag-Lloyd Cruises. Ein Statement, das den Kern moderner pflanzenbasierter Küche auf den Punkt bringt.

Gemeinsam mit Marcel Jücker, Corporate Executive Chef der Flotte, verantwortet Lohrengel die gastronomische Entwicklung aller fünf Schiffe – von Fine Dining auf der EUROPA bis zur Expeditionsküche in entlegenen Regionen. Ihre Konzepte zeigen exemplarisch, wie pflanzenbasierte Küche dann überzeugt, wenn sie nicht als Ersatz, sondern als eigenständige kulinarische Erzählung gedacht wird.

Dieses Beispiel beweist, dass vegetarische und vegane Gerichte nicht über Verzicht, Moral oder Label funktionieren müssen, sondern über Technik, Produktverständnis, Storytelling und sensorische Qualität. Genau dort liegt auch für Hotels und Restaurants an Land die große Chance – pflanzenbasierte Küche nicht als Sonderfall zu führen, sondern als selbstverständlichen Teil eines zeitgemäßen, anspruchsvollen kulinarischen Angebots.

Warum Airlines zum Taktgeber werden: Emirates

Was auf See bereits neue Maßstäbe setzt, zeigt sich auch in der Luft: Pflanzliche Küche wird dort erfolgreich, wo sie nicht als Ersatz gedacht wird – sondern als kulinarisches Statement mit eigener Identität. Mit der Neuausrichtung ihrer veganen Kulinarik unterstreicht Emirates eindrucksvoll, wie relevant das Thema auf globaler Ebene geworden ist – und wie stark sich der Fokus dabei verschiebt: weg von Ersatzprodukten, hin zu echten Lebensmitteln.

Ab 2027 setzt Emirates bei neuen veganen Gerichten konsequent auf möglichst unverarbeitete, pflanzliche Zutaten im Sinne eines „Farm-to-Fork“-Ansatzes. Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Samen und saisonales Gemüse stehen im Mittelpunkt – nicht als Kompromiss, sondern als kulinarische Hauptdarsteller. Klassische Fleischalternativen aus industrieller Produktion werden bewusst vermieden. Stattdessen orientiert sich das kulinarische Team an Küchen, die seit jeher pflanzenbetont sind: mediterrane Mezze, levantinische Getreidesalate, asiatische Nudelgerichte oder afrikanische Eintöpfe.

Diese Haltung ist mehr als ein Ernährungstrend. Sie reagiert auf ein verändertes Gästeverständnis: Transparenz, Bekömmlichkeit und Vertrauen in die Zutaten gewinnen an Bedeutung – gerade unterwegs. Dass pflanzenbasierte Gerichte dabei nicht nur Veganer:innen ansprechen, zeigen auch die Zahlen.

Emirates serviert bereits heute rund eine halbe Million vegane Mahlzeiten pro Jahr auf Flügen zu 140 Destinationen – ein Zuwachs von 60 Prozent gegenüber 2024. Auffällig: Ein großer Teil der Nachfrage kommt von nicht veganen Gästen, die sich während des Flugs bewusst für pflanzliche Optionen entscheiden – häufig als leichtere, besser verträgliche Alternative.

Bemerkenswert ist dabei die konsequente Umsetzung über alle Reiseklassen hinweg: von Economy bis First Class, von Bordmenüs bis zu den Lounges. Pflanzliche Küche wird nicht als Sonderwunsch behandelt, sondern als selbstverständlicher Teil kulinarischer Qualität verstanden. Unterstützt wird dieser Ansatz durch den Einsatz frischer, pestizidfreier Zutaten aus der eigenen vertikalen Farm Bustanica in Dubai – ein Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit, Logistik und Genuss zusammengedacht werden können.

Unser Fazit

Für Hotellerie und Gastronomie an Land liegt darin eine klare Botschaft: Wenn pflanzenbasierte Küche dann überzeugt, wenn sie nicht als Ersatz, sondern als eigenständige kulinarische Erzählung funktioniert, gilt das unabhängig vom Setting. Ob Fine Dining, Kreuzfahrt oder Airline – Akzeptanz entsteht über Produktqualität, Handwerk, kulturelle Verankerung und eine Kommunikation, die nicht belehrt, sondern einlädt.

Aus dem Genusspunkt 1/2026

Copyright zu den verwendeten Beitragsbildern:
© Emirates

New Roots

Handwerkliche vegane Käsekultur aus der Schweiz

Was passiert, wenn traditionelle Schweizer Käsekunst auf pflanzliche Fermentation trifft? Es entsteht kein Ersatzprodukt, sondern eine neue Kategorie. New Roots bezeichnet sich selbst als „vegane Molkerei“ und produziert in Oberdiessbach handwerklich hergestellte Käsealternativen auf pflanzlicher Basis. Gegründet 2016 in Thun, gehört das Unternehmen zu den Pionieren der europäischen veganen Käsekultur und produziert heute wöchentlich rund 30.000 Käseprodukte. Besonders bemerkenswert: Die Herstellung erfolgt nach traditionellen Reifemethoden mit Fermentation, Reifekulturen und handwerklicher Sorgfalt statt texturierender Zusatzstoff-Architektur. Für Betriebe, die ihr veganes Angebot auf Fine-Dining-Niveau heben möchten, lohnt sich ein genauer Blick auf folgende Produkte.

Nachhaltig grillen 2026

Profi-Tipps von Haya Molcho, günstiges Premiumfleisch und pflanzliche BBQ-Trends

Ob gerettetes Qualitätsfleisch über Too Good To Go, pflanzliche Steaks von Planted oder Zero Waste BBQ laut Kotányi Grillstudie: Die Grillsaison 2026 steht für bewussten Genuss, neue Geschmackserlebnisse und smarte Möglichkeiten, beim Grillen Geld zu sparen.

Blaufränkisch in Vollreife

Warum Kerschbaums „X“ 2015 ein seltenes Statement gegen zu frühes Öffnen ist

Die meisten großen Weine werden zu früh geöffnet. Michael Kerschbaum dreht das Prinzip um und bringt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 einen Wein auf den Markt, der genau dann verfügbar ist, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat. Ein seltenes Statement für Geduld, Herkunft und die wahre Größe des Blaufränkisch.

Das Weingut Kerschbaum setzt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 ein bewusstes Zeichen gegen die Schnelllebigkeit der Weinwelt. Zehn Jahre Reife, kompromisslose Selektion und eine klare Vision: einen Blaufränkisch genau dann zugänglich zu machen, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat.

quick & dirty
Vegane Speisen auf Flügen der Emirates © Emirates
Wenn pflanzenbasierte Küche Luxus kann

Dass pflanzenbasierte Konzepte längst nicht mehr im Widerspruch zu Fine Dining, Inszenierung und kulinarischer Exzellenz stehen, zeigt aktuell auch ein Blick auf die internationale Hospitality-Spitze.