
Bio ist kein Etikett – sondern eine Haltung. Im niederösterreichischen Falkenstein lebt das Weingut Pesau biologische Landwirtschaft als Generationenvertrag: für den Boden, für die Landschaft, für den Wein. Ein Gespräch mit Andreas und Georg Pesau über gelebte Herkunft, nachhaltiges Handwerk und den Mut, sich nicht jedem Trend zu beugen.
Eingebettet in einen geschützten Talkessel, wo Falkenstein von Kalkformationen umarmt wird, liegt das Weingut Pesau. Die Brüder Andreas und Georg Pesau bewirtschaften den historischen Familienbetrieb mit spürbarem Respekt vor der Natur – und einer klaren Haltung: Hier geht es nicht um Bio als Image, sondern um ein tief verankertes Verständnis von Landwirtschaft, Verantwortung und Weinbaukultur.
Der eine – Andreas – ist Winzer, Önologe und Kellermeister. Der andere – Georg – Winzer, Sommelier und Kontaktpfleger im besten Sinne: charmantes Bindeglied zwischen Rebe, Glas und Gast. Gemeinsam stehen sie für einen kompromisslosen Zugang zum Thema Herkunft. Und für Weine, die sich keinem Trend unterwerfen – sondern einer Geschichte folgen, die 400 Jahre zurückreicht.
Was bedeutet biologische Landwirtschaft für euch – im Weinbau, aber auch in der Philosophie eures Hauses?
Biologische Landwirtschaft ist für uns keine Marketingidee, sondern die Grundlage unserer Arbeit. Es geht nicht nur um den Verzicht auf Chemie, sondern um eine Haltung: bewusst arbeiten, beobachten, verstehen, was es braucht – und was nicht. Der Eingriff des Menschen soll mit Maß passieren.
Bio heißt für uns auch, Verantwortung zu übernehmen – für den Boden, für die Landschaft und für die Zukunft. Unser Betrieb besteht seit über 300 Jahren und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Es ist unsere Verantwortung – genau wie die unserer Vorfahren – auch an unsere Nachkommen zu denken.
Die Entscheidung für Bio entstand aus einem Lern- und Beobachtungsprozess. Es war die logische Konsequenz unseres eigenen Tuns. Keine Modeerscheinung, kein Marketinggag.
Inwiefern ist Herkunft für euch mehr als eine geografische Angabe – und wie erzählt ihr sie euren Kund:innen?
Falkenstein ist gesegnet. Die Landschaft, die Natur, die einzigartigen Kalkböden, entstanden vor rund 17 Millionen Jahren, bieten perfekte Voraussetzungen für Weinbau. Aber Herkunft ist mehr als eine schöne Kulisse oder ein Punkt auf der Landkarte.
Sie ist das, was einen Wein unverwechselbar macht. Und das sind – nicht zu vergessen – auch wir. Herkunft ist untrennbar mit den Menschen verbunden, die den Ort bearbeiten, verstehen und über Jahre hinweg prägen.
In unseren Weinen spiegeln sich Boden, Jahrgang und Sorte – aber auch unsere Handschrift als Winzer. Oder wie wir sagen: Terroir schlägt Sorte.
Was macht gute Begrünung und Erdesaat für euch aus – und wie wirkt sich das auf die Qualität im Glas aus?
Das ist bei uns sehr herausfordernd, weil wir in einem absoluten Trockengebiet zu Hause sind. Besonders wichtig ist der Erosionsschutz – gerade in unseren steilen Lagen.
Eine durchdachte Begrünung sorgt für Nährstoffversorgung, Humusaufbau und ein stabiles Bodenleben. Sie bietet Lebensraum für Nützlinge und fördert ein gesundes Mikroklima. Das wirkt sich direkt auf die Qualität aus – lebendige Böden schenken dem Wein Tiefe, Struktur und Charakter.
Welche Missverständnisse gibt es rund um Bio im Weinbau noch immer – und wie geht ihr damit um?
Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Bio gleich Nachhaltigkeit bedeutet. Bio ist ein wichtiger Baustein – aber eben nur einer. Nachhaltigkeit heißt für uns auch wirtschaftliche Stabilität, soziale Verantwortung und langfristiges Denken.
Ein Weingut kann nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn alle Bereiche im Gleichgewicht stehen. Das wird in der öffentlichen Debatte oft übersehen – und hier braucht es mehr Bewusstsein, auch innerhalb der Branche.
Was denkt ihr über den Trend zu alkoholfreien Weinen? Wäre das perspektivisch denkbar für euch?
Der Trend ist da – und wir beobachten ihn durchaus interessiert. Aber: Für uns ist alkoholfreier Wein aktuell keine Option. Die technische Herstellung ist so stark eingreifend, dass man nicht mehr von Wein im klassischen Sinn sprechen kann.
Wir sehen Wein als Kulturgut und handwerkliches Produkt. Alkoholfreier Wein passt da schlicht nicht hinein. Was wir allerdings spannend finden, sind hochwertige Getränke auf Traubenbasis oder natürliche Varianten wie Versu – näher am Ursprung, ehrlicher im Charakter.
Welche Entwicklungen in der Bio-Weinszene beobachtet ihr mit Freude – und wo seht ihr Herausforderungen?
Es ist schön zu sehen, dass Bio-Weinbau heute kein Nischenprodukt mehr ist. Die Qualität überzeugt, und die Wertschätzung in Handel und Gastronomie steigt.
Gleichzeitig ist die Bürokratie enorm gewachsen. Zwei bis drei Kontrollen pro Jahr, Dokumentationspflichten, Auflagen – das ist zeitintensiv, aber wichtig. Denn nur durch Kontrolle entsteht Vertrauen. Und genau das ist das Fundament für ehrliche Produkte.
Ort: Falkenstein, Niederösterreich
Bewirtschaftung: Biologisch, familiengeführt
Sortenspiegel:
Terroir:
Team:
Historie:
Philosophie:
Andreas und Georg Pesau stehen für eine neue, bodenständige Generation des Weinbaus. Ihre Weine erzählen Geschichten, die tief im Kalk verwurzelt sind – aber mit klarem Blick in die Zukunft wachsen. Hier wird Wein nicht erfunden, sondern entdeckt, begleitet und verstanden. Authentisch. Persönlich. Überzeugend.
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Bio ist kein Etikett – sondern eine Haltung. Im niederösterreichischen Falkenstein lebt das Weingut Pesau biologische Landwirtschaft als Generationenvertrag: für den Boden, für die Landschaft, für den Wein. Ein Gespräch mit Andreas und Georg Pesau über gelebte Herkunft, nachhaltiges Handwerk und den Mut, sich nicht jedem Trend zu beugen.