Mehr als eine Tasse Tee

Warum Tea Time jetzt ein Comeback feiert
© Artit Wongpradu / iStock
© Artit Wongpradu / iStock
Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
27. Dezember 2025 | 
Alexandra Gorsche

Tradition trifft Trend: Die britische Tea Time erlebt eine stilvolle Renaissance in Hotels, Cafés und gehobener Gastronomie. Was früher dem britischen Adel vorbehalten war, wird heute neu inszeniert: mit feinen Etageren, internationalen Teesorten und Wissensdurst rund um Blends, Brühzeiten und Rituale. Ein Blick auf neue Konzepte, alte Bräuche und die Zukunft des Tees – inklusive Academy-Insights.

Tea Time 2.0: Zwischen Scones und Storytelling

Der britische Afternoon Tea ist mehr als ein hübsch gedeckter Tisch: Er ist Ausdruck von Gastlichkeit, Genuss und kultureller Tiefe. In einer Zeit, in der Slow Living wieder an Wert gewinnt, findet die Tea Time ihren Platz zwischen Nachhaltigkeit, sensorischer Erfahrung und internationalem Food-Styling.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen zahlreiche Gastronomiebetriebe den Trend auf: Ob in historischen Häusern wie dem Hotel Bristol Wien oder im modernen Setting von Omas Teekanne in Graz – der Afternoon Tea wird kuratiert, inszeniert und teilweise sogar neu interpretiert. Statt einer lieblichen Nostalgie erwartet Gäste heute oft eine vielschichtige Erfahrung mit regionalen Zutaten, Tees aus nachhaltigem Anbau und Foodpairings von klassisch bis experimentell.

Markt & Konsum: Tee als globales Lifestyle-Getränk

Tee ist nach Wasser das meistkonsumierte Getränk der Welt. Besonders Schwarztee bleibt global an der Spitze, während in Deutschland Früchte- und Kräutertees den Markt dominieren. Millennials und Gen Z zeigen starkes Interesse, rund 87 % konsumieren regelmäßig Tee. Die weltweite Teeproduktion nimmt weiter zu: Grüner Tee liegt 2025 bei über 2,9 Millionen Tonnen.

Besonders spannend für die Branche: Der Wunsch nach Authentizität und Tiefe steigt. Das zeigt sich auch im Aufwind von Tea Bars, Bubble Tea Stores und Signature Tea Pairings.

Kompetenz für Profis: Ausbildung zum Tee-Sommelier

Wer Tee nicht nur servieren, sondern auch inszenieren möchte, kann mittlerweile europaweit fundierte Ausbildungen absolvieren. Ob bei der Berlin Tea Academy, der Ronnefeldt Tea Academy oder über flexible Onlineformate wie bei der Teeakademie.ch: Fachkräfte aus Gastronomie und Hotellerie erhalten nicht nur Sensorik-Know-how, sondern lernen auch, wie man Gäste begeistert.

Angehende Tea Specialists und Tea Master® lernen etwa:

  • Unterschiede zwischen Pu Erh, Oolong, Matcha & Co.
  • Wirkung von Wasserqualität und Zubereitung
  • Pairing von Tee mit Speisen
  • Teeservice als Erlebnis

Für Hotelbetriebe ergibt sich hier ein USP, der kulinarisches Angebot und Markenpositionierung stärkt.

Dekoration & Inszenierung: Die Bühne für eine stilvolle Tea Time

Eine hochwertige Tea Time beginnt nicht mit dem ersten Aufguss – sondern mit dem ersten Eindruck. Ob am klassischen Esstisch oder in der Lounge: Die Gestaltung der Teetafel ist ein wesentlicher Teil des Gesamterlebnisses. Wer seinen Gästen mehr bieten möchte als Scones und Schwarztee, sollte auch optisch Akzente setzen. Hier einige Inszenierungsansätze für Gastgeber:innen aus Hotellerie, Gastronomie oder Eventdesign:

  • Klassisch-elegant
    Weißes oder florales Porzellan, kombiniert mit silbernem Tee-Set, schafft einen Look, der an Grandhotels erinnert. Eine gestärkte Tischdecke, kleine Blütenarrangements und warmes Kerzenlicht sorgen für Atmosphäre. Farbakzente kommen durch die Speisen selbst: Sandwiches mit Lachs, Gurke oder Ei, leuchtende Marmeladen, bunt glasierte Tartes und Macarons wirken wie kleine Kunstwerke.
  • Farblich kuratiert
    Wer mit Farbkonzepten arbeiten möchte, kann ganze Tea-Time-Erlebnisse in Pastelltönen, Schwarz-Weiß, Gold oder saisonalen Paletten inszenieren. Von Servietten über Gebäck bis zur Blumendeko – alles darf aufeinander abgestimmt sein. Mutige Gastgeber:innen setzen auch auf Pompons, Girlanden oder Vintage-Elemente.
  • Jahreszeiten & Themen
    Themenspezifische Arrangements erzeugen Nähe und Wiedererkennung. Ob Pumpkin Chai Latte im Herbst, Zimtgebäck im Winter oder Beeren und Wiesenblumen im Sommer – jede Jahreszeit bietet sensorische wie visuelle Ankerpunkte. Im Frühling lädt ein Garten-Setting ein; wichtig dabei: Wasserstation und stabiles Tablett für den Service im Freien.
  • Humorvoll & immersiv
    Gerade bei privaten Events oder ausgefallenen Afternoon-Tea-Angeboten kann auch der spielerische Ansatz wirken: Namenskärtchen wie „Lady Alexandra“, Teekleider, oder eine „Alice im Wunderland“-Inszenierung mit Petit Fours in Hutform, vintage Taschenuhren, Figuren und beschrifteten Etiketten („Drink me“) machen die Tea Time zum Event.
  • Teewagen als stilvolles Tool
    Ein Teewagen ist nicht nur charmantes Deko-Element, sondern ein funktionales Highlight im Service. Ob im Art-déco-Look, skandinavisch reduziert oder im Industrial Style – der Tea Trolley ist zurück. Wichtig: Auf die Höhe achten, je nachdem ob Lounge oder Restaurantsetting. Wenn nicht im Einsatz, lässt er sich auch als Barwagen oder dekorative Bühne nutzen.

Tea Rooms: Eine Auswahl stilvoller Adressen im DACH-Raum

Ob luxuriös, klassisch oder modern: Diese Adressen zeigen, wie elegant die Tea Time gelebt werden kann:

Deutschland

  • Waldorf Astoria, Berlin – Bibliothek mit Aussicht
  • Eaton Place, Hamburg – British Lifestyle pur
  • Bülow Palais, Dresden – von grünem Tee bis Clotted Cream

Österreich

  • Bristol Lounge, Wien – edle Tradition im Zentrum
  • Madame Wu, Linz – chinesisch inspiriert, auf Wunsch vegan
  • Goldener Hirsch, Salzburg – Afternoon Tea auf der Terrasse

Schweiz

  • Victoria Jungfrau, Interlaken – Etagere mit Bergblick
  • Teehaus Umami, Cham – Über 100 Teesorten & Stil
  • Carlton Hotel, St. Moritz – Kamin, Schnee und feiner Tee

Inspiration aus dem Mutterland der Tea Time

Wer einen eigenen Tea Room plant oder sein Afternoon-Tea-Angebot auf das nächste Level bringen will, kommt an Großbritannien nicht vorbei. Denn hier ist die Tea Time nicht nur ein Tageszeitfenster – sie ist Teil der kulturellen DNA.

Ob klassisch, verspielt, ländlich oder luxuriös: In England, Schottland & Co. gibt es für jeden Stil das passende Vorbild. Die folgenden Adressen bieten Inspiration pur – für Gastgeber:innen, die Atmosphäre, Auswahl und Authentizität neu denken wollen. Und wer selbst hinreisen möchte: Aktuelle Angebote, Reservierungstipps und Tea-Room-Finder gibt es auf

www.afternoontea.co.uk

Fünf stilbildende Tea Rooms in Großbritannien

  1. Claridge’s, London
    Luxus pur und zugleich Hüter der Tradition: Der Afternoon Tea im Claridge’s Foyer ist ein Erlebnis für alle Sinne – inklusive eigener Hausmischung („Claridge’s Blend“) und Spezialitäten aus dem ganzen Königreich.
  2. The Feathered Nest, Cotswolds
    Ein modernes Country Inn mit Panorama-Blick auf die Hügellandschaft der Cotswolds. Die Präsentation ist reduziert-elegant, das Foodpairing auf regionalem Niveau – ein Ort für Slow Luxury.
  3. Mrs Knott’s Tea Room, Dover
    Ein liebevoll inszenierter Retro-Traum im Stil der 1950er – mit Vintage-Service, hausgemachten Kuchen und einer dekorativen Teekannensammlung. Ideal für Gastgeber:innen mit Hang zum Storytelling.
  4. Boscundle Manor, Cornwall
    Cornwalls Interpretation des Afternoon Tea: kunstvoll, herzlich und mit klarem Standpunkt in der ewigen „Scone-Frage“ (erst Marmelade, dann Clotted Cream). Ein Vorbild für konzeptstarke Boutiquehotels.
  5. Harrods Tea Rooms, London
    Ein Klassiker mit maximalem Anspruch – von der Präsentation bis zum Dresscode. Der Afternoon Tea hier ist luxuriös bis ins Detail, mit Optionen für alle Ernährungsformen (glutenfrei, vegan, nussfrei).

Unser Fazit für die Zukunft:

Tee ist kein Nebenschauplatz mehr. Wer Gästen Erlebnisse bieten will, sollte das Thema mit der gleichen Sorgfalt behandeln wie Kaffee oder Wein. Tea Time kann zum Signature Moment werden – stilvoll, regional interpretiert und mit echtem Wissen serviert. Die Zukunft ist nicht nur grün – sie ist aufgegossen.

Aus dem Genusspunkt 3/2025

Copyright zu den verwendeten Beitragsbildern:
© Artit Wongpradu / iStock

New Roots

Handwerkliche vegane Käsekultur aus der Schweiz

Was passiert, wenn traditionelle Schweizer Käsekunst auf pflanzliche Fermentation trifft? Es entsteht kein Ersatzprodukt, sondern eine neue Kategorie. New Roots bezeichnet sich selbst als „vegane Molkerei“ und produziert in Oberdiessbach handwerklich hergestellte Käsealternativen auf pflanzlicher Basis. Gegründet 2016 in Thun, gehört das Unternehmen zu den Pionieren der europäischen veganen Käsekultur und produziert heute wöchentlich rund 30.000 Käseprodukte. Besonders bemerkenswert: Die Herstellung erfolgt nach traditionellen Reifemethoden mit Fermentation, Reifekulturen und handwerklicher Sorgfalt statt texturierender Zusatzstoff-Architektur. Für Betriebe, die ihr veganes Angebot auf Fine-Dining-Niveau heben möchten, lohnt sich ein genauer Blick auf folgende Produkte.

Nachhaltig grillen 2026

Profi-Tipps von Haya Molcho, günstiges Premiumfleisch und pflanzliche BBQ-Trends

Ob gerettetes Qualitätsfleisch über Too Good To Go, pflanzliche Steaks von Planted oder Zero Waste BBQ laut Kotányi Grillstudie: Die Grillsaison 2026 steht für bewussten Genuss, neue Geschmackserlebnisse und smarte Möglichkeiten, beim Grillen Geld zu sparen.

Blaufränkisch in Vollreife

Warum Kerschbaums „X“ 2015 ein seltenes Statement gegen zu frühes Öffnen ist

Die meisten großen Weine werden zu früh geöffnet. Michael Kerschbaum dreht das Prinzip um und bringt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 einen Wein auf den Markt, der genau dann verfügbar ist, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat. Ein seltenes Statement für Geduld, Herkunft und die wahre Größe des Blaufränkisch.

Das Weingut Kerschbaum setzt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 ein bewusstes Zeichen gegen die Schnelllebigkeit der Weinwelt. Zehn Jahre Reife, kompromisslose Selektion und eine klare Vision: einen Blaufränkisch genau dann zugänglich zu machen, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat.

quick & dirty
Tea Time © Artit Wongpradu / iStock
Mehr als eine Tasse Tee

Tradition trifft Trend: Die britische Tea Time erlebt eine stilvolle Renaissance in Hotels, Cafés und gehobener Gastronomie. Was früher dem britischen Adel vorbehalten war, wird heute neu inszeniert: mit feinen Etageren, internationalen Teesorten und Wissensdurst rund um Blends, Brühzeiten und Rituale. Ein Blick auf neue Konzepte, alte Bräuche und die Zukunft des Tees – inklusive Academy-Insights.