Blaufränkisch in Vollreife

Warum Kerschbaums „X“ 2015 ein seltenes Statement gegen zu frühes Öffnen ist
© Weingut Kerschbaum
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
11. Mai 2026 | 
Alexandra Gorsche

Die meisten großen Weine werden zu früh geöffnet. Michael Kerschbaum dreht das Prinzip um und bringt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 einen Wein auf den Markt, der genau dann verfügbar ist, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat. Ein seltenes Statement für Geduld, Herkunft und die wahre Größe des Blaufränkisch.

Das Weingut Kerschbaum setzt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 ein bewusstes Zeichen gegen die Schnelllebigkeit der Weinwelt. Zehn Jahre Reife, kompromisslose Selektion und eine klare Vision: einen Blaufränkisch genau dann zugänglich zu machen, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat.

Wenn Geduld zur Stilistik wird

Es ist eine Beobachtung, die viele Sommeliers teilen, aber selten so konsequent zu Ende gedacht wird: Große Weine werden oft zu früh geöffnet. Für Michael Kerschbaum war genau das der Ausgangspunkt für ein Projekt, das heute als eines der spannendsten Statements im österreichischen Rotweinbereich gilt. Bereits 2015 fiel die Entscheidung, einen Wein nicht nach Marktlogik, sondern nach Reife zu veröffentlichen.

Das Ergebnis ist der Blaufränkisch „X“: ein Wein, der nicht auf kurzfristige Wirkung abzielt, sondern auf Tiefe, Struktur und Entwicklung. „Er ist kein Kompromiss. Sondern das Ergebnis von zehn Jahren Geduld und Präzision.“ Diese Haltung ist kein Zufall, sondern Teil einer gewachsenen Philosophie. Das Fundament legte Paul Kerschbaum, der das Weingut in Horitschon Ende der 1980er-Jahre zu einem der prägenden Betriebe des Mittelburgenlands entwickelte. Blaufränkisch war dabei nie nur Rebsorte, sondern Identität.

Riede Dürrau: Herkunft als Rückgrat

Der Blaufränkisch „X“ 2015 stammt aus der renommierten Riede Dürrau – einem Terroir, das für seine Kraft, Würze und Lagerfähigkeit bekannt ist. Handlese, präzise Selektion und ein klassischer, aber bewusst entschleunigter Ausbau bilden die Basis: 18 Monate im kleinen Eichenfass, weitere sechs Monate im großen Holzfass, gefolgt von acht Jahren Flaschenreife.

Für Fachleute besonders spannend: Die lange Flaschenreife sorgt nicht nur für harmonisierte Tannine, sondern für eine deutlich komplexere Aromatik, fernab primärer Frucht, hin zu Tiefe, Würze und Struktur.

Im Glas zeigt sich der Wein heute mit:

  • feinkörnigem, integrierten Tannin
  • präziser Säurestruktur
  • kühler Würze und dunkler Frucht
  • bemerkenswerter Länge

Trinkreife als Konzept, nicht als Zufall

Was diesen Wein besonders macht, ist nicht nur seine Qualität, sondern der Zeitpunkt seiner Veröffentlichung. Während viele Weine den Markt erreichen, lange bevor sie ihr volles Potenzial entfalten, dreht Kerschbaum das Prinzip bewusst um: Der Konsument erhält einen Wein, der bereits seine optimale Trinkphase erreicht hat.

Für die Gastronomie bedeutet das:

  • sofort einsetzbare Reife
  • maximale Ausdruckskraft ohne Lageraufwand
  • ein klar kommunizierbares Qualitätsversprechen

Die Empfehlung, den Wein vor dem Genuss etwa zwei Stunden zu dekantieren, unterstreicht den Anspruch: Dieser Blaufränkisch ist kein Nebenbei-Wein, er verlangt Aufmerksamkeit.

Kulinarische Präzision: Ein Wein für Strukturgerichte

In der Pairing-Logik zeigt sich die Handschrift des Weins besonders klar. Der Blaufränkisch „X“ 2015 verlangt nach Gerichten mit Substanz: geschmortes oder gegrilltes Rind, Wild oder gereifter Hartkäse. Die Kombination aus Struktur, Säure und Würze erlaubt es ihm, auch komplexe Gerichte nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu tragen.

Das „X“ als Symbol einer neuen Haltung

Visuell reduziert und dennoch stark: Jede der 3.000 Flaschen trägt ein von Hand gemaltes goldenes „X“. Es steht für zehn Jahre Reife, den Faktor Zeit als Qualitätsmerkmal und gleichzeitig für das Außergewöhnliche. In Kombination mit der schwarzen Verpackung entsteht ein bewusst gesetztes Statement: Wein als Objekt der Ruhe, nicht der Inszenierung.

Limitierung mit Perspektive

Mit lediglich 3.000 Flaschen bleibt der Blaufränkisch „X“ 2015 eine rare Erscheinung. Doch er ist zugleich Auftakt einer Idee: Weitere Jahrgänge liegen bereits im Keller und folgen demselben Prinzip, die Veröffentlichung erfolgt erst dann, wenn sie bereit sind. Für Sammler, Sommeliers und anspruchsvolle Genießer entsteht damit eine neue Kategorie: gereifte Blaufränkisch-Editionen mit klar definiertem Reifestadium.

Unser Fazit: Blaufränkisch in seiner erwachsenen Form

In einer Zeit, in der Geschwindigkeit oft über Reife gestellt wird, setzt das Weingut Kerschbaum einen bewussten Kontrapunkt. Oder anders gesagt: Dieser Wein zeigt nicht, was Blaufränkisch kann, sondern was er wird, wenn man ihn lässt.

Verfügbarkeit & Facts

Wein: Blaufränkisch „X“ 2015
Herkunft: Horitschon, Mittelburgenland, Österreich
Rebsorte: Blaufränkisch
Alkohol: 13,5 % vol.
Ausbau: kleines & großes Holzfass + 8 Jahre Flaschenreife
Limitierung: 3.000 Flaschen
Preis: 119 €

Erhältlich:

  • direkt beim Weingut
  • im Fachhandel in Österreich
  • in ausgewählter Top-Gastronomie in DACH

www.kerschbaum.at

Copyright zu den verwendeten Beitragsbildern:
© Weingut Kerschbaum

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quick & dirty
Blaufränkisch „X“ © Weingut Kerschbaum
Blaufränkisch in Vollreife

Die meisten großen Weine werden zu früh geöffnet. Michael Kerschbaum dreht das Prinzip um und bringt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 einen Wein auf den Markt, der genau dann verfügbar ist, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat. Ein seltenes Statement für Geduld, Herkunft und die wahre Größe des Blaufränkisch.

Das Weingut Kerschbaum setzt mit dem Blaufränkisch „X“ 2015 ein bewusstes Zeichen gegen die Schnelllebigkeit der Weinwelt. Zehn Jahre Reife, kompromisslose Selektion und eine klare Vision: einen Blaufränkisch genau dann zugänglich zu machen, wenn er sein volles Potenzial erreicht hat.