Wintersprache – Sommersprache

Wie Jahreszeiten unsere Kommunikation verändern
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Stefan Häseli
31. Mai 2026 | 
Stefan Häseli

Die Temperaturen kamen vehementen Schrittes und im zügigen Crescendo des Thermometers in sommerliche Sphären. Verändern diese naturgegebenen Parameter und Ingredienzen eigentlich unsere Kommunikation?

Dass sich unsere Stimmung mit den Jahreszeiten verändert, ist soweit bekannt.

Weniger offensichtlich ist jedoch, dass sich tatsächlich auch unsere Kommunikation subtil und messbar verändert. Forschungen aus Psychologie und Linguistik deuten darauf hin, dass Licht, Temperatur und soziale Aktivität einen spürbaren Einfluss darauf haben, wie Menschen sprechen, schreiben und miteinander umgehen.

Im Winter ziehen sich viele Menschen stärker zurück. Weniger Tageslicht beeinflusst Schlafrhythmus, Energielevel und Stressverarbeitung. Gespräche werden häufig kürzer, funktionaler und nüchterner. In Büros zeigt sich dies etwa durch sachlichere E-Mails, weniger Smalltalk und eine stärkere Verlagerung in digitale Kommunikation. Studien zu Kommunikationsdaten belegen zudem, dass soziale Netzwerke in den Wintermonaten kleiner und enger werden: Menschen kommunizieren häufiger mit vertrauten Kontakten als mit neuen Bekanntschaften.

Im Sommer zeigt sich oft das Gegenteil. Mehr Tageslicht und höhere Aktivität fördern Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Sprache wird emotionaler, spontaner und sozialer. In sozialen Medien nehmen positive Begriffe, Freizeit- und Aktivitätswörter sowie Zukunftsformulierungen deutlich zu. Menschen reagieren schneller auf Nachrichten, Gespräche dauern länger und soziale Interaktionen werden vielfältiger.

Es zeigen sich saisonale Veränderungen in Emotionalität, Tonfall. Interessant ist dabei vor allem eines: Sprache spiegelt nicht nur unsere Gedanken wider, sondern auch unseren körperlichen und emotionalen Zustand. Jahreszeiten beeinflussen somit indirekt, wie wir Beziehungen gestalten, Konflikte austragen und Nähe herstellen. Das oft, ohne dass wir es bewusst bemerken... bis jetzt. Ich bin sicher, dass sie sich dessen nun wohl doch etwas bewusster geworden sind.

Studien zeigen, dass gerade im Sommer das Wetter auch in sachlichen Themen Einzug hält, wie z.B.: „Herrlich heute, oder? Warst du schon draußen?“ „Man müsste eigentlich die Sitzung nach draußen verlegen“ oder zu Beginn der Woche z.B. „Hoi zäme, ich hoffe, ihr konntet das schöne Wetter übers Wochenende etwas genießen“.

Vielleicht verschieben Sie den nächsten Konflikt, der im Winter entsteht, einfach auf den kommenden Sommer. Kann funktionieren, muss aber nicht. Some like it hot!

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