Der Hoagie

Alte Gerichte, neue Geschichten
© Catch The Moment / Pixabay
© Catch The Moment / Pixabay
Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
18. Oktober 2025 | 
Alexandra Gorsche

„Back to the Bite“ erzählt die Geschichten hinter dem Geschmack – authentisch, überraschend und immer mit einem Blick auf das Heute. Auf ikonische Gerichte, vergessene Klassiker und kulinarische Legenden, dieses Mal im Fokus: Der Hoagie.

Ein Sandwich mit Werftgeschichte – und Kultstatus

Kaum ein Sandwich ist so tief in der amerikanischen Alltagskultur verankert wie der Hoagie. Außen knusprig, innen soft, gefüllt mit einer ordentlichen Portion Fleisch, Käse, Salat und Dressing – ein echter Klassiker der Deli-Kultur. Doch was heute an jeder Ecke der US-Ostküste über die Theke wandert, begann einst ganz bodenständig: auf einer Schiffswerft in Philadelphia.

Woher kommt der Name „Hoagie“?

Der Begriff „Hoagie“ geht auf Arbeiter der Hog Island Werft in Philadelphia zurück, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts lange Brötchen mit kaltem Aufschnitt, Käse und Gemüse zur Arbeit mitbrachten. Die „Hog Island Sandwiches“ wurden im Dialekt zu „Hoggies“ und später zu Hoagies. Erste schriftliche Erwähnungen finden sich um das Jahr 1928, besonders in Zusammenhang mit italienischstämmigen Deli-Betreibern in Philadelphia.

Was ist das Original?

Der klassische Hoagie besteht aus:

  • einem langen italienischen Weißbrot (ähnlich einem Baguette, aber weicher)
  • Aufschnitt wie Salami, Schinken, Mortadella
  • Provolone oder American Cheese
  • Eisbergsalat, Tomaten, Zwiebeln, Peperoni, Essig-Öl-Dressing

Die Besonderheit: Er wird nicht getoastet, sondern kalt serviert – im Gegensatz zu seinem warmen Cousin, dem Sub oder Grinder.

Wo ist der Hoagie heute zu Hause?

Vor allem in Philadelphia und im weiteren Pennsylvania gilt der Hoagie bis heute als kulinarisches Heiligtum – 1992 wurde er sogar zum offiziellen Sandwich der Stadt Philadelphia ernannt. Auch in Teilen von New Jersey, Delaware und Maryland hat er Kultstatus.

Andere Namen, gleiche Liebe

Je nach Region heißt der Hoagie auch:

  • Sub oder Submarine Sandwich (wegen der Form)
  • Grinder (vor allem in Neuengland, oft warm serviert)
  • Hero (in New York City)
  • Po‘boy (in Louisiana, dort meist mit frittierten Füllungen)
  • Italian Sandwich (in Maine)

Jeder Name steht für eine regionale Interpretation – mal mit Fisch, mal mit frittiertem Chicken, mal vegetarisch. Doch der Grundgedanke bleibt: Ein tragbares, herzhaftes Mahl mit Charakter.

Moderne Varianten

Heutzutage erlebt der Hoagie ein kleines Revival – als Gourmet-Version mit hausgemachten Saucen, als Veggie-Hoagie mit Grilled Veggies und Mozzarella, oder als Fusion-Variante mit koreanischem Bulgogi oder veganem Aufschnitt. In vielen amerikanischen Metropolen gibt es wieder neue Sandwich-Spots, die den Klassiker aufgreifen und modern interpretieren.

Fun Fact

Der „Hoagie Day“ wird jedes Jahr im Rahmen der „Wawa Welcome America“-Feierlichkeiten in Philadelphia zelebriert – ein ganzer Tag zu Ehren des ikonischen Sandwichs.

Tradition trifft Zukunft: Der Hoagie neu gedacht

Dass der Hoagie auch 2025 noch relevant ist, beweist das US-Unternehmen Prime Roots. Statt Wurst und Schinken setzen sie auf pflanzenbasierte Delikatessen auf Koji-Basis, die in Geschmack und Textur klassischen Deli-Fillings verblüffend nahekommen – nur eben ohne Fleisch.

In über 80 New Yorker Delis stehen mittlerweile plant-based Hoagies auf der Karte – ein Zeichen dafür, dass selbst traditionsreiche Klassiker Platz in der modernen Foodkultur finden.

Aus dem Genusspunkt Sept-Okt 2025

Copyright zu den verwendeten Beitragsbildern:
© Catch The Moment / Pixabay

Verloren, vergessen, verliebt: Vermentino Nero

Unbekannte Rebsorten, die es wert sind, entdeckt zu werden

Zwischen Meeresbrisen, Steilhängen und sonnenverwöhnten Küstenhängen kehrt eine fast vergessene Rebsorte zurück: Vermentino Nero – die dunkle Überraschung aus Ligurien.

Die Wahrheit liegt im Teig

Was eine gute Pizza ausmacht: Lektionen vom Ersten Wiener Pizzaverein

Pizza ist eines der Gerichte, zu denen jede:r eine Meinung hat. Fast alle glauben, sie zu verstehen – und doch scheitern erschreckend viele an diesem kulinarischen „Allgemeinbesitz“. In Wien wie auch darüber hinaus sprießen neapolitanische Pizzerien inzwischen aus dem Boden, exzellente Vertreter wie auch jene, deren Interesse an guter Pizza ein jähes Ende findet. Quantität ist bekanntlich nicht gleich Qualität. Oder, um es mit Martin Albrich vom Ersten Wiener Pizzaverein zu sagen: Pizza ist Brot. Und Brot verzeiht nichts.

Mehr als eine Tasse Tee

Warum Tea Time jetzt ein Comeback feiert

Tradition trifft Trend: Die britische Tea Time erlebt eine stilvolle Renaissance in Hotels, Cafés und gehobener Gastronomie. Was früher dem britischen Adel vorbehalten war, wird heute neu inszeniert: mit feinen Etageren, internationalen Teesorten und Wissensdurst rund um Blends, Brühzeiten und Rituale. Ein Blick auf neue Konzepte, alte Bräuche und die Zukunft des Tees – inklusive Academy-Insights.

quick & dirty
Hoagie © Catch The Moment / Pixabay
Der Hoagie

„Back to the Bite“ erzählt die Geschichten hinter dem Geschmack – authentisch, überraschend und immer mit einem Blick auf das Heute. Auf ikonische Gerichte, vergessene Klassiker und kulinarische Legenden, dieses Mal im Fokus: Der Hoagie.