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Weinkultur Preiß im Traisental

Viktoria Preiß setzt mit Bio-Wein, Grüner Veltliner und alkoholfreien Innovationen neue Maßstäbe
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
1. Juni 2026 |
Alexandra Gorsche

Das Traisental gehört zu den spannendsten und gleichzeitig unterschätztesten Weinregionen Österreichs. Kühles Klima, kalkreiche Böden und eine bemerkenswerte Präzision im Wein machen das Gebiet zu einem Hotspot für elegante Cool-Climate-Weine. Dass das Traisental längst mehr ist als ein Geheimtipp, beweist Viktoria Preiß mit ihrem Familienbetrieb Weinkultur Preiß auf eindrucksvolle Weise.

Gemeinsam mit ihrem Partner Klaus Wiebogen führt sie das traditionsreiche Weingut in fünfter Generation und verbindet Herkunft, Nachhaltigkeit und Innovationskraft zu einer klaren Vision für die Zukunft des Weinbaus.

Tradition mit Weitblick

Seit mehr als 100 Jahren betreibt die Familie Preiß in Theyern eine gemischte Landwirtschaft. Was einst Wein- und Obstbau unter einem Dach vereinte, wurde in den vergangenen Jahren strategisch weiterentwickelt. Viktoria Preiß verantwortet heute den Weinbereich, ihr Bruder Maximilian den Obstbau. Beide Sparten profitieren voneinander und zeigen, wie wertvoll ganzheitliches Denken in der Landwirtschaft sein kann.

Viktoria Preiß bringt internationale Erfahrung und ein feines Gespür für Qualität mit. Gemeinsam mit Klaus Wiebogen hat sie das Weingut modernisiert, die Bio-Zertifizierung umgesetzt und das Sortiment konsequent weiterentwickelt. Seit 2025 tragen die Weine ein neues Etikettendesign, das nicht nur optisch überzeugt, sondern auch die geologische Geschichte der Region erzählt. Zu sehen ist darauf ein Kammerling, ein bis zu 15 Millionen Jahre altes Fossil, das in den Böden des Traisentals gefunden wird.

Ried Brunndoppel: Monopollage mit Seltenheitswert

Das Herzstück des Weinguts ist die Ried Brunndoppel. Diese außergewöhnliche Lage wird seit 1953 exklusiv von der Familie Preiß bewirtschaftet und zählt zu den spannendsten Monopollagen Österreichs. Karge Kalkböden, ein kühles Mikroklima und präzise Arbeit im Weingarten bringen Weine hervor, die sich durch Finesse, Spannung und beeindruckende Langlebigkeit auszeichnen. Besonders Grüner Veltliner, Chardonnay und Riesling zeigen hier eine Stilistik, die international immer stärker gefragt ist. In Zeiten steigender Temperaturen gewinnen Cool-Climate-Weine mit moderatem Alkohol, straffer Struktur und präziser Frucht deutlich an Bedeutung. Das Traisental erweist sich damit als Region mit großem Zukunftspotenzial.

Qualitätsbeweis

Dass Weinkultur Preiß nicht nur visionär arbeitet, sondern auch qualitativ auf höchstem Niveau agiert, bestätigt ein aktueller Erfolg. Mit dem Grünen Veltliner 2024 aus der Ried Rosengarten gewann das Weingut den renommierten Falstaff Traisental DAC Cup. Diese Auszeichnung unterstreicht eindrucksvoll, dass die junge Generation im Traisental nicht nur an die Zukunft denkt, sondern bereits heute Maßstäbe setzt.

Bio als Haltung, nicht als Marketinginstrument

Während Viktoria Preiß für Keller und Vermarktung verantwortlich ist, widmet sich Klaus Wiebogen intensiv dem Weingarten. Sein Fokus liegt auf Biodiversität, gesunden Böden und dem Verständnis natürlicher Kreisläufe. Die Bio-Zertifizierung ist für das Paar keine kurzfristige Positionierung, sondern Ausdruck einer klaren Haltung. Ziel ist es, Lebensräume für Nützlinge zu schaffen, die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und langfristig stabile Ökosysteme zu erhalten. Gerade in einer Zeit, in der Konsumenten Herkunft und Produktionsweise stärker hinterfragen, wird sichtbar, wie eng Qualität und nachhaltige Bewirtschaftung miteinander verbunden sind.

Wein neu denken: Low und Zero mit Substanz

Besonders bemerkenswert ist, wie offen Weinkultur Preiß auf veränderte Konsumgewohnheiten reagiert. Anstatt entalkoholisierte Weine anzubieten, setzt das Weingut bewusst auf Produkte, die von Natur aus wenig oder keinen Alkohol enthalten. Mit Rosella entwickelte Viktoria Preiß eine alkoholfreie Alternative aus unvergorenem Traubensaft und koffeinfreiem Blütentee. Das Ergebnis ist ein eigenständiges Produkt mit Tiefe, Struktur und aromatischer Komplexität. Auch der Pet Nat „Apfelkönigin“, ein handwerklich erzeugter Cidre aus Baya-Marisa-Äpfeln mit 6,5 Prozent Alkohol, zeigt, wie kreativ Wein- und Obstkompetenz miteinander verschmelzen können. Dass bereits zwei der insgesamt 13 Hektar Rebfläche für alkoholfreie Traubenprodukte reserviert sind, verdeutlicht, wie ernst das Thema genommen wird.

Warum Betriebe wie Weinkultur Preiß richtungsweisend sind

Weinkultur Preiß steht exemplarisch für eine neue Generation österreichischer Weingüter. Hier werden Tradition und Innovation nicht als Gegensätze verstanden, sondern als gegenseitige Verstärkung. Die Verbindung aus Bio-Landwirtschaft, Monopollagen, internationaler Stilistik und innovativen Low- und Zero-Konzepten zeigt, wohin sich die Weinbranche entwickelt. Authentizität, Herkunft, Nachhaltigkeit und die Fähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen, werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Unser Fazit: Das Traisental hat eine starke Botschafterin

Mit Viktoria Preiß erhält das Traisental eine engagierte Winzerin, die Herkunft mit modernem Unternehmertum verbindet. Ihre Weine überzeugen durch Präzision und Eleganz, ihre Philosophie durch Konsequenz und Zukunftsorientierung. Weinkultur Preiß zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in einer Region steckt, die noch immer unterschätzt wird. Wer verstehen möchte, wie innovativer österreichischer Weinbau heute aussieht, sollte dieses Weingut unbedingt im Blick behalten.

www.weinkulturpreiss.at

Über Alexandra Gorsche

Alexandra Gorsche ist Food-Journalistin, Moderatorin, Speakerin, Beraterin und kulinarische Stimme mit klarem Fokus auf Fine Dining, Hospitality und zeitgenössische Restaurantkultur. Sie ist Chefredakteurin von Genusspunkt, verantwortet die kulinarische Leitung von stayinart und schreibt für renommierte Verlage und Medienmarken wie den Callwey Verlag. In ihrer Arbeit verbindet sie Gastronomie, Kultur, Design, Reisen und Unternehmertum von Michelin-prämierten Restaurants bis hin zu aktuellen Food-Trends, prägenden Küchenpersönlichkeiten und innovativen Hospitality-Konzepten.

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