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Warum 90 % aller Hotels ihr Marketing falsch machen

Und wie du mit weniger Aufwand endlich mehr Buchungen bekommst
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
5. Januar 2026 |
Alexandra Gorsche

„Marketing darf kein theoretisches Konstrukt sein, sondern muss zur täglichen Praxis passen.“

Alle reden über Algorithmen, KI-Tools und neue Marketing-Trends – doch die meisten Hotels und Restaurants sind heute unsichtbarer als je zuvor. Marketingberaterin Theresa Strobl erklärt im Interview, warum genau diese Überforderung der größte Feind von erfolgreichem Marketing ist, welche Maßnahmen Betriebe sofort streichen sollten – und warum echte Menschen, nicht perfekte Feeds, 2026 über volle Tische und ausgebuchte Zimmer entscheiden. Ein Gespräch über Klarheit statt Chaos, Haltung statt Hype – und darüber, warum weniger Marketing oft mehr Umsatz bringt.

Warum Marketing in Hotellerie und Gastronomie radikal vereinfacht werden muss

Warum fühlen sich so viele Hoteliers und Gastronomen vom Thema Marketing regelrecht erdrückt – obwohl sie jeden Tag großartige Arbeit leisten? Warum haben Betriebe mit exzellenter Küche, tollem Design und perfektem Service trotzdem leere Tische, während andere mit deutlich weniger Substanz scheinbar mühelos sichtbar sind?

Die Antwort ist unbequemer, als viele glauben:
Nicht fehlendes Budget ist das Problem.
Nicht der Algorithmus.
Nicht die falsche Plattform.

Sondern ein Marketing, das sich nicht mehr nach dem Betrieb richtet – sondern nach Trends, Agenturlogiken und digitalem Aktionismus. Theresa Strobl, Gründerin von Strobl Marketing und seit über 15 Jahren in Strategie, Positionierung und Markenführung tätig, spricht in diesem Interview aus, was sich viele in der Branche nur denken: Warum Marketing in Hotellerie und Gastronomie radikal vereinfacht werden muss. Warum KI ohne Haltung zur Inhaltsleere führt. Und warum die stärkste Marketing-Waffe eines Betriebs nicht Instagram, Google oder Ads sind – sondern die Menschen, die dort jeden Tag arbeiten.

„Marketing ist nicht die Werbung am Ende, sondern das Verständnis davor“

ALEXANDRA GORSCHE: Warum fühlen sich so viele Hotels und Gastronomiebetriebe vom Thema Marketing überfordert – und was sollten sie als Erstes bewusst nicht mehr tun?
THERESA STROBL: Viele Betriebe fühlen sich unsicher, weil Marketing immer komplexer wird und ständig neue Trends, Fachbegriffe und Empfehlungen auf sie einprasseln. Diese Undurchsichtigkeit und Informationsflut sorgt für Überforderung.

Der wichtigste Schritt ist, zu akzeptieren, dass man nicht alles selbst wissen oder umsetzen muss. Entlastung entsteht, wenn Marketing vereinfacht wird: Prioritäten setzen, Überflüssiges weglassen und nicht alles gleichzeitig machen.

Hilfreich ist eine einmalige neutrale, unabhängige Beratung, die einordnet, was der Betrieb wirklich braucht. Denn manche Agenturen empfehlen oft jene Maßnahmen, die sie selbst anbieten oder Geld bringen – was nicht immer dem tatsächlichen Bedarf der Unternehmen entspricht. Marketing muss sich dem Betrieb anpassen – nicht umgekehrt.

Wenn ein Betrieb zu dir kommt und sagt: „Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen“ – welche drei Fragen stellst du, bevor du über Kanäle oder Maßnahmen sprichst?

  1. Wo steht der Betrieb aktuell im Marketing, was frustriert und welche Maßnahmen wurden bisher ausprobiert?
  2. Mit welchen konkreten Herausforderungen und Problemen hat der Betrieb derzeit zu kämpfen?
  3. Welche Ziele gibt es für die nächsten Jahre – und welche Rolle soll Marketing dabei spielen?
    Diese Fragen schaffen Klarheit und bilden die Grundlage für viele sinnvolle Marketingentscheidungen.

Was bedeutet „gutes Marketing“ in der Hotellerie und Gastronomie heute wirklich – und was wird deiner Meinung nach völlig überschätzt?
Gutes Marketing lebt heute vor allem von Authentizität. Gerade weil KI immer mehr Aufgaben übernimmt, werden echte Geschichten, reale Menschen, Humor und der individuelle Charakter eines Betriebs zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Gäste möchten spüren, wofür ein Haus steht – nicht austauschbare Werbebotschaften.

Überschätzt wird aktuell der unreflektierte Einsatz von KI-Texten. Ohne klare Anweisungen entstehen oft generische, werbliche Inhalte, die wenig Emotion transportieren. Wer für Echtheit und Persönlichkeit stehen möchte, sollte sich bewusst Zeit für echte und persönliche Inhalte nehmen – denn genau diese schaffen Vertrauen und bleiben in Erinnerung.

Viele Marketingstrategien scheitern, weil sie zu komplex sind. Wie sieht aus deiner Sicht ein realistisches, machbares Marketing-Setup für kleinere und mittlere Betriebe aus?
Marketing darf kein theoretisches Konstrukt sein, sondern muss zur täglichen Praxis passen. Strategien funktionieren nur dann, wenn sie konkrete, umsetzbare Schritte enthalten – sonst verschwinden sie schnell in der Schublade.

Ein einheitliches Setup gibt es nicht, denn jeder Betrieb hat andere Ziele und Herausforderungen. Grundlegend lässt sich aber sagen: eine saubere Website, die gefunden wird, Suchmaschinenoptimierung und eine klar definierte Social-Media-Präsenz sind bereits eine starke Basis. Entscheidend ist, Marketing so einfach und realistisch zu gestalten, dass es im Alltag auch gelebt werden kann.

Budget ist ein großes Thema: Wo lohnt sich Marketing-Investition wirklich – und wo wird in der Branche oft Geld verbrannt?
Bevor Betriebe Geld in Marketing investieren, sollten sie konsequent jene Maßnahmen nutzen, die kein Budget, sondern vor allem Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Dazu zählen beispielsweise Social Media, redaktionelle Beiträge in regionalen Medien, aktive Mundpropaganda sowie der bewusste Umgang mit Bewertungen zufriedener Gäste oder im Falle von Hotels ein starker Channel Manager. Diese Kanäle werden oft unterschätzt, obwohl sie enorm wirkungsvoll sind.

Erst danach lohnt sich der Blick auf bezahlte Maßnahmen. Wichtig ist dabei, vergangene Aktivitäten ehrlich zu analysieren: Was hat messbar funktioniert, was nicht – und warum? Geld wird in der Branche vor allem dort verbrannt, wo kurzfristig und ohne klares Ziel agiert wird. Einzelne Aktionen ohne Strategie kosten oft mehr, als sie bringen.

Welche Rolle spielt Content heute im Marketing – und welche Inhalte funktionieren für Hotels und Restaurants langfristig wirklich?
Content ist heute entscheidend, weil er Kaufentscheidungen unmittelbar beeinflusst. Wer gut essen oder schlafen möchte, entscheidet sich meist für den Betrieb, der mit stimmungsvollen Bildern, Videos und Texten überzeugt – oft unabhängig davon, ob das Angebot objektiv besser ist oder einfach besser präsentiert wird.

Langfristig funktionieren Inhalte, die den Betrieb selbst in den Mittelpunkt stellen: Atmosphäre, Werte, Menschen und das, was ein Haus besonders macht. Weniger wirksam sind austauschbare Inhalte über regionale Aktivitäten oder Events – dafür gibt es Tourismusverbände und andere Seiten. Gäste folgen Hotels und Restaurants, um sie kennenzulernen, nicht die Umgebung.

Social Media erzeugt bei vielen Betrieben Druck. Wie kann ein gesunder, nachhaltiger Umgang damit aussehen, ohne dass Teams ausbrennen?
Social Media sollte immer von jemandem betreut werden, der Freude daran hat und selbst gerne auf den Plattformen unterwegs ist. Zwang ist hier kontraproduktiv – niemand sollte diese Aufgabe „nebenbei“ oder widerwillig übernehmen. Gibt es intern keine passende Person, sollte das Thema bereits in Bewerbungsgesprächen mitgedacht oder gezielt externe Unterstützung eingeholt werden.

Der größte Druck entsteht meist durch fehlende Klarheit. Wer sich einmal bewusst Zeit nimmt, um festzulegen, wer Social Media macht, wie und in welchem Umfang, merkt schnell: Mit einer klaren, realistischen Strategie ist Social Media gut machbar – auch mit wenig Aufwand und ohne Überforderung. Hier gilt immer Qualität vor Quantität. Es muss nicht täglich gepostet werden aber relevant!

Was unterscheidet aus deiner Erfahrung Betriebe, die ihr Marketing erfolgreich im Griff haben, von jenen, die trotz guter Qualität kaum sichtbar sind?
Sichtbarkeit entsteht nicht zufällig – sie ist das Ergebnis klarer Entscheidungen. Erfolgreiche Betriebe wissen, wo sie stehen, wo sie hinwollen und wie Marketing sie genau dorthin bringt. Der entscheidende Unterschied ist deshalb selten das Budget, sondern fast immer ein klarer Plan.

Betriebe ohne Sichtbarkeit haben oft hohe Qualität, aber keine Strategie, wie diese nach außen transportiert wird. Marketing wirkt dann zufällig – und genau das verhindert nachhaltigen Erfolg. Ohne Klarheit wird Marketing zum Dauerstress und kostet mehr, als es bringt.

Wenn du Hoteliers und Gastronomen nur eine Marketing-Regel für 2026 mitgeben dürftest – welche wäre das?
Bleiben Sie sich selbst treu. Menschen sehnen sich nach echten Persönlichkeiten, nicht nach inszenierten Social-Media-Auftritten, die nur entstehen, weil „man das jetzt halt so macht“. Der größte Fehler ist, andere zu kopieren. Der größte Erfolg liegt darin, Marketing so umzusetzen, wie es wirklich zu Ihnen, Ihrem Betrieb und Ihren Werten passt.

Welche Marketing-Chance wird in der Hotellerie und Gastronomie aktuell am meisten unterschätzt, weil sie zu naheliegend wirkt?
Die eigenen Mitarbeiter. Exzellenter Service, Verlässlichkeit, gutes Essen und freundliche, engagierte Gesichter sind nach wie vor die stärkste Form von Marketing. Positive Erlebnisse führen zu ehrlicher Mundpropaganda – und die ist unbezahlbar.

Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnen diese menschlichen Qualitäten enorm an Wert. Denn ja: Auch gelebte Gastfreundschaft ist Werbung. Die lässt sich nicht kaufen – nur leben.

Was möchtest du Unternehmer:innen mit auf den Weg geben?
Marketing darf sich nicht wie zusätzlicher Stress anfühlen. Es ist kein Wettbewerb darum, wer am lautesten wirbt oder jeden Trend mitmacht. Vertrauen Sie auf Ihre Erfahrung – Sie wissen selbst am besten, was Ihren Betrieb besonders macht.

Marketing ist nicht die Werbung am Ende, sondern das Verständnis davor: wofür ein Betrieb steht und wohin er sich entwickeln möchte. Werbung ist nur die Umsetzung davon – wie das Anrichten am Teller. Oder anders gesagt: Ein gutes Schnitzel entsteht nicht durch die Panier, sondern durch Qualität, Handwerk und Haltung in der Küche. Genau das ist Marketing. Die Werbung ist nur der Moment, in dem es serviert wird.

Wer sich dabei Unterstützung holt, sollte auf neutrale Beratung setzen – auf Menschen, die erklären, einordnen und begleiten, statt einfach Leistungen zu verkaufen. Denn gutes Marketing entsteht nicht aus Druck, sondern aus Klarheit, Vertrauen und einer guten Portion Bauchgefühl.

strobl-marketing.at

Der wichtigste Schritt ist, zu akzeptieren, dass man nicht alles selbst wissen oder umsetzen muss.

Der wichtigste Schritt ist, zu akzeptieren, dass man nicht alles selbst wissen oder umsetzen muss.

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