Trendreport: Bereiche der Hospitality Branche

Neue Anforderungen an Gastronomie in einer modernen Welt
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Pierre Nierhaus © Foto Joppen
1. April 2026 | 
Pierre Nierhaus

Gastronomie wird über alle Lebensbereiche hinweg emotionaler, flexibler und relevanter: Systemgastronomie zeigt mehr Charakter, Verkehrsgastronomie entwickelt sich vom Zwischenstopp zum Erlebnisraum und im Kontext von New Work wird Kulinarik zum zentralen Faktor für Kultur, Gesundheit und Arbeitgeberattraktivität.

70 % Standard, 30 % Seele: Systemgastronomie

Die Systemgastronomie steht vor einem Paradigmenwechsel. Standards allein reichen nicht mehr – sie müssen mit Charakter aufgeladen werden. Gäste erwarten Flexibilität, Transparenz und Nähe. Die Zukunft gehört Systemen, die Wiedererkennbarkeit nicht als Uniformität interpretieren, sondern als stabile Basis für lokale Variation. 70 % Struktur, 30 % Individualität: Dieser Mix ermöglicht Effizienz und Persönlichkeit zugleich.

Digitale Tools, modulare Formate, datenbasierte Planung und nachhaltige Lieferketten beschleunigen die Transformation. Systemgastronomie wird damit vom reinen Prozessbetrieb zum markenstarken Gastgeber, der konsistent ist – aber nie langweilig.

Erfolgreiche Systeme verankern klare Werte, fördern lokale Besonderheiten und setzen konsequent auf Transparenz. Die Kombination aus Digitalisierung, Nachhaltigkeit und emotionaler Markenführung wird zu Pflichtprogramm. Convenience darf dabei nie seelenlos wirken – Gastperspektive, Wärme und Erlebnis müssen integraler Bestandteil sein.

 

BEST PRACTICES

  • Kaspar SCHMAUSER – Vegan und „Smart Casual“
  • Dean & David – Nachhaltigkeit als System-DNA, konsequente Frischelogistik.
  • L´Osteria – „deutscher“ Erfolgsitaliener mit weit über 200 Filialen in 10 Ländern.
  • The Ash – Comeback des Steaks – aber Wohlfühlatmosphäre.
  • Flower Burger – Vegane Farbwelt mit Kultpotenzial.
  • Sweetgreen – App-first und lokal verankert: die Blaupause des modernen Systems.

Transit braucht Erlebnis, nicht nur Geschwindigkeit: Verkehrsgastronomie

Verkehrsgastronomie entwickelt sich vom Nebenangebot zum relevanten Erlebnisfaktor. Mobilität wird vielfältiger, digitaler und anspruchsvoller – und damit steigen Erwartungen an Qualität, Orientierung und Atmosphäre. Erfolgreiche Standorte verbinden Regionalität mit internationaler Zugänglichkeit, Geschwindigkeit mit Genuss, Modularität mit klarer Identität. Architektur, Design und Aufenthaltsqualität rücken stärker in den Fokus.

Die neue Verkehrsgastronomie ist hybrid: ein Mix aus Streetfood-Dynamik, Systemgastronomie-Struktur und Retail-Komfort. Wer den Transit nur als Durchlaufstrecke begreift, verliert – wer ihn als Bühne begreift, gewinnt Frequenz und Loyalität.

Erfolgreich ist, wer Convenience und Qualität nicht als Gegensätze, sondern als Synergien versteht. Regionale Storys, sinnliche Gestaltung und digitale Services steigern Relevanz und Aufenthaltsqualität. Licht, Duft, Akustik und Service werden zum unterschätzten Differenzierungsfaktor.

 

BEST PRACTICES

  • Haferkater – Porridge und Bowls – schnell, gesund, vegetarisch.
  • SUSHIDOG London - Kombiniert Sushi mit Street Food Convenience – “Build your own sushi”.
  • Pret A Manger – Globales Erfolgsmodell für bewusste Convenience.
  • Le Grand Comptoir, CDG – Brasserie-Qualität im Terminal.

Die Kantine ist tot. Es lebe das soziale Esszimmer: Betriebsverpflegung & Bildung

Die Kantine ist zum strategischen Baustein geworden. New Work, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Employer Branding prägen die Anforderungen. Essen wird kultureller Ausdruck, sozialer Raum und Wertschätzungszeichen. Flexible Formate – von Grab-and-Go bis Community Table – ersetzen starre Linien. Atmosphäre statt Kantinen-Flair, Community statt Zweck. Besonders an den Büro-Tagen Dienstag bis Donnerstag wird der Lunch zum wichtigen Kontaktpunkt – kulinarisch wie sozial. Gefragt sind starke Konzepte bei gleichzeitig sinkenden Stückzahlen. Betriebsverpflegung ist nicht mehr Logistik, sondern identitätsrelevante Dienstleistung.

Die Bildungslandschaft – Mensen, Uni-Caterings und Schulgastronomie – setzt verstärkt auf Professionalität und Esskultur mit Fokus auf Frische, Verantwortung und pädagogischem Anspruch.

Erfolgsfaktor ist die Verbindung aus Nachhaltigkeit, Gesundheitsfokus und sozialer Erlebnisqualität. Kantinenräume werden zu Begegnungsorten, Lernräumen und kulturellen Ankern.

 

BEST PRACTICES

  • CANTEEN – Tellergerichte im Axel-Springer-Neubau, Berlin.
  • Apetito Catering – Frische + Bildungsintegration.
  • Leonardi – Manufaktur statt Massenproduktion.
  • Google Food Programs – Globaler Maßstab für nachhaltige Campus-Kultur.
  • Food for Thought, UK – Bildungscatering mit pädagogischem Anspruch.
  • THINK CORNER – Cafe-Shop-Open Workspace Universität Helsinki.

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