Trendreport: Bereiche der Hospitality Branche

Vom Produkt zur Erlebniswelt – Wie Bäckereien und Hotels neu begeistern
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Pierre Nierhaus © Foto Joppen
4. März 2026 | 
Pierre Nierhaus

Bäckereien transformieren sich zu urbanen Lieblingsorten. Weniger Sortiment, mehr Statement. Brot wird Erlebnis – sichtbar, riechbar, emotional. Aber auch Hotels werden zu Lebenswelten – und F&B zum stärksten Differenzierungsfaktor im Wettbewerb um Aufmerksamkeit.

Der Ofen als Bühne: Bäckerei-Gastronomie

Bäckereien transformieren sich vom Versorger zum Erlebnisort. Brot wird wieder emotional – durch offene Backstuben, duftende Teige, sichtbare Handarbeit und signifikante Hero-Produkte. Das neue Genre verbindet Manufaktur, Café, Community-Hub und Designraum.

Kleinere Sortimente, mehr ikonische Produkte prägen die Wahrnehmung. Qualität, Herkunft und handwerkliche Integrität werden zum narrativen Kern. Die Bäckerei wird zum Third Place, der urbane Routinen prägt und Alltagsmomente aufwertet. Sie ist nicht mehr Übergangsort, sondern Destination – ein Zeichen für die Rückkehr des Authentischen in einer digitalisierten Welt.

Erfolgsfaktor ist die sichtbare Bühne des Backens – offen, multisensorisch, nahbar. Frühstück und Brunch werden zu sozialen Ereignissen. Sortimentspolitik folgt einer klaren Dramaturgie: weniger Vielfalt, mehr Strahlkraft. Qualität ersetzt Kompromisse, Inszenierung ersetzt Austauschbarkeit.

BEST PRACTICES

  • Steinleitner – Purismus und radikale Besinnung auf Tradition und eigene Sauerteige.
  • Zeit für Brot – Offene Backstube + kultige Hero-Produkte.
  • Bread & Roses, München – Französischer Flair + Brunchkultur.
  • E5 Bakehouse, London – Slow-Fermentation + Community-Building.
  • Sain, Paris – Hip, puristisch, handwerklich stilprägend.

 

Das Zimmer ist nebensächlich. Die Gastronomie entscheidet: Hotellerie & Tourismus

Das Reisen verändert sich radikal, wird spontaner, digitaler und erlebniszentriert. Gäste suchen keine Schlafstätten, sondern Atmosphären. Hotels werden zur emotionalen Destination, in der die Gastronomie den Unterschied macht. Lobby, Bar, Rooftop und Restaurant werden zu sozialen Bühnen – für Locals wie Reisende. Zimmer werden kompakter, Aufenthaltsflächen größer. Hotels, die F&B als Kern identitätsstiftender Erlebnisse begreifen, setzen Standards – alle anderen verlieren den Anschluss.

Gleichzeitig entstehen neue Wettbewerbsdynamiken: Google, KI und OTA-Plattformen verändern das Buchungsverhalten. Es wird digitaler und emotionaler, Sichtbarkeit entsteht durch Content, nicht durch Klassifizierung.

Erfolgreich ist, wer eigenständige Konzepte entwickelt, lokale Communities integriert und digitale Tools für Buchung und Distribution nutzt. Räume müssen strahlen, nicht nur funktionieren.

 

Best Practices

  • 25hours Hotels – Gastronomie als Identität, nicht als Anhängsel.
  • Beyond by Geisel – Wohnzimmer statt Lobby – Essen als Begegnung.
  • citizenM – 12qm, immer schon digtal – mit riesigen Communityflächen.
  • Mama Shelter – Urban, laut, bunt – Community first.
  • The Hoxton – Public Spaces als Herzstück der Marke.

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KI 2026

Vom Experiment zur Struktur

Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Betriebe angekommen – doch 2026 wird sie zur strukturellen Aufgabe. Nicht mehr das Testen einzelner Tools steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie KI verlässlich, wirksam und organisationsweit eingesetzt werden kann. Beispiele aus Tourismus, Events und Organisationen zeigen bereits heute, wie Skalierung in der Praxis funktioniert – und wo KI konkret entlastet.

Für das Jahr 2026 zeichnet sich ein klarer Wendepunkt ab. Der firmenweite Einsatz von KI rückt in den Mittelpunkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Hamburger KI-Experte und Interim Manager Eckhart Hilgenstock, der zahlreiche nationale und internationale Studien zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz analysiert hat. Sein Fazit ist eindeutig: „Nach der Phase der Pilotprojekte 2024/25 streben viele Unternehmen für 2026 die Skalierung der KI innerhalb ihrer Organisation an.“

Trendspotting München

Dry January: Vom Monatsphänomen zum Branchenstandard

Dry January ist längst kein Verzichtsmonat mehr. Er ist ein Seismograf. Für veränderte Gästewünsche. Für bewusstere Konsummuster. Für eine neue Ästhetik des Genusses. Wer 2026 noch glaubt, alkoholfreie Drinks seien bloß Limonade im Kristallglas, hat den Trend nicht verstanden. In der Bar Montez im Rosewood Munich zeigt Bar Manager Mario Sel, wie anspruchsvoll, strukturiert und gastronomisch relevant alkoholfreie Kreationen heute sein können und warum sie längst ein strategischer Bestandteil zeitgemäßer Barkultur sind.

Future Menus 2026

Die wichtigsten Gastronomie-Trends von KI bis Street Food Couture im Überblick

Die Gastronomie steht an einem Wendepunkt. Nicht leise, nicht schleichend, sondern mit voller Wucht. Was sich aktuell in Küchen rund um den Globus abzeichnet, ist mehr als ein Trendzyklus: Es ist eine strukturelle Transformation der kulinarischen Wertschöpfung. Der aktuelle „Future Menus“-Report von Unilever Food Solutions zeigt, wie tiefgreifend sich Erwartungen, Prozesse und Geschäftsmodelle verändern und liefert gleichzeitig ein Instrument, das diesen Wandel operationalisierbar macht: ein KI-gestütztes Tool, das Küchenpraxis und Datenintelligenz vereint.

Über 1.100 Branchenexpert:innen aus 20 Ländern sowie 250 Köch:innen haben an der Analyse mitgewirkt. Das Ergebnis: vier zentrale Bewegungen, die 2026 nicht nur relevant sind – sondern strategisch entscheidend.

quick & dirty
CitizenM, New York © Pierre Nierhaus
Trendreport: Bereiche der Hospitality Branche

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