
Der weltweite Markt für professionelle Küchentechnik wächst auf 77,7 Milliarden Euro. HostMilano 2027 zeigt, wie KI, offene Küchen, modulare Konzepte und authentische Kulinarik die Gastronomie neu definieren.
Die Gastronomie befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen. Was früher vor allem als operativer Bereich galt, entwickelt sich zunehmend zum strategischen Zentrum eines Betriebes. Küchentechnik, Raumgestaltung, Automatisierung, Menüentwicklung und Gästeerlebnis verschmelzen zu einem integrierten Geschäftsmodell.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den aktuellen Marktzahlen wider. Laut exklusiven Daten von ExportPlanning für das HostMilano Observatory erreichte die weltweite Produktion professioneller Foodservice-Ausrüstung im Jahr 2025 ein Volumen von 77,7 Milliarden Euro. Gegenüber der Vor-Pandemie-Zeit entspricht das einem Wachstum von rund 35 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt bei 5,2 Prozent.
Damit wird deutlich: Investitionen in Profiküchen, Automatisierung und flexible Betriebskonzepte zählen heute zu den wichtigsten Wettbewerbsfaktoren im internationalen HoReCa-Sektor.
Die wirtschaftliche Relevanz professioneller Küchentechnik nimmt weltweit deutlich zu. Gleichzeitig verändern sich gastronomische Konzepte, Betriebsabläufe und Investitionsschwerpunkte grundlegend. Für Hoteliers, Gastronom:innen und Foodserice-Entscheider wird die Küche damit immer stärker zu einem strategischen Wertschöpfungszentrum. HostMilano 2027 findet vom 22. bis 26. Oktober 2027 in Mailand statt und gilt als eine der weltweit wichtigsten Plattformen für Hospitality, Foodservice und Food Retail. Die Messe ist für Branchenentscheider vor allem deshalb relevant, weil sie technologische Entwicklungen, Marktbewegungen und neue Geschäftsmodelle frühzeitig sichtbar macht.
Bereits jetzt zeichnen sich folgende Eckdaten ab:
Die zunehmende Internationalisierung des Foodservice-Marktes zeigt sich auch in neuen strategischen Kooperationen.
Für Hersteller, Betreiber und Investoren bedeutet dies eine stärkere internationale Vernetzung sowie besseren Zugang zu neuen Märkten und Innovationen.
Laut aktuellen Daten von ExportPlanning für das HostMilano Observatory belief sich die weltweite Produktion professioneller Foodservice-Ausrüstung im Jahr 2025 auf 77,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 35 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie.
Welche Produktgruppen besonders stark wachsen
Die größten Produktkategorien sind Kochgeschirr und Töpfe mit 26,9 Milliarden Euro und elektrische Küchen, Kochfelder und Öfen mit 23 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickeln sich kleine elektromechanische Geräte mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 10,3 Prozent.
Für die Praxis ist dies ein deutlicher Hinweis auf drei zentrale Entwicklungen:
Die Vereinigten Staaten bleiben mit einem Importvolumen von 8,4 Milliarden Euro der weltweit größte Einzelmarkt. Weitere bedeutende Absatzmärkte sind Deutschland mit 4,8 Milliarden Euro, Niederlande mit 2,5 Milliarden Euro, Polen mit 2,5 Milliarden Euro und Frankreich mit 2,4 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickelt sich der europäische Markt. Für Deutschland wird bis 2029 ein zusätzlicher Nachfragezuwachs von rund 906 Millionen Euro erwartet. Das zeigt: Investitionen in professionelle Küchentechnik bleiben auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ein zentraler Bestandteil moderner Hospitality-Strategien.
Einer der wichtigsten strukturellen Trends ist und bleibt die Sichtbarkeit der Küche. Sie wird vom Back-of-House-Bereich zur zentralen Bühne des gastronomischen Erlebnisses. Open Kitchen-Konzepte schaffen Transparenz, Vertrauen und Inszenierung. Gäste möchten Prozesse erleben, Handwerk sehen und Authentizität spüren. Die Küche wird damit zum emotionalen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Betriebes.
Parallel dazu gewinnen modulare Raumkonzepte immer mehr an Bedeutung. Restaurants werden so gestaltet, dass sie sich flexibel an unterschiedliche Nutzungsszenarien anpassen können, die vom Lunch-Service, über Aperitivo und Dinner, bis hin zum Private Dining. Delivery Pick-up und Events reichen können. Innen- und Außenbereiche verschmelzen zu adaptiven Gesamtsystemen, die Auslastung und Umsatzpotenziale maximieren.
Ein zentraler Treiber dieser Transformation ist künstliche Intelligenz. Wie der von Genusspunkt analysierte Report „Future Menus 2026“ von Unilever Food Solutions zeigt, wird KI zunehmend zu einem praxisnahen Werkzeug für die Gastronomie. Über 1.100 Branchenexpert:innen sowie 250 Köch:innen aus 20 Ländern identifizierten vier strategische Entwicklungen. Besonders relevant ist die Nutzung KI-gestützter Systeme, die Restaurantkonzepte analysieren, globale Trends mit mehr als 35.000 Rezepten abgleichen, konkrete Handlungsempfehlungen generieren und Trial-and-Error in der Produktentwicklung reduzieren. Damit wandelt sich künstliche Intelligenz vom Buzzword zum datenbasierten Entscheidungsinstrument für Einkauf, Menüengineering und operative Prozesse.
Kulinarisch zeichnen sich weltweit zwei starke Entwicklungen ab. Zum einen etabliert sich „Borderless Cuisine“, also eine global inspirierte Küche, die kulturelle Tiefe und Authentizität in den Mittelpunkt stellt. Miso, Kimchi, Tahini oder Ube werden nicht als modische Zutaten eingesetzt, sondern als integrale Bestandteile durchdachter Geschmackskonzepte. Zum anderen gewinnen Fermentation, Umami und Live-Fire-Cooking deutlich an Bedeutung. Holzkohlegrills, fermentierte Milchprodukte und komplexe Aromaprofile schaffen Differenzierung sowohl in Fine Dining-Konzepten als auch im Accessible Premium-Segment. Diese Trends decken sich direkt mit den Beobachtungen des HostMilano Observatory und bestätigen, dass Innovation und Authentizität heute Hand in Hand gehen.
Eine Studie von FIPE und Sociometrica zeigt die weltweite Strahlkraft italienischer Gastronomie. Weltweit gibt es nahezu 90.000 italienische Restaurants, die als kulturelle Botschafter fungieren. Besonders erfolgreich sind authentische Formate wie Pizzerien. Die Pizza Margherita bleibt mit 657 Erwähnungen das am häufigsten gelistete Gericht, gefolgt von Spaghetti alla Carbonara und Tiramisù.
Der klassische Rhythmus aus Mittag- und Abendessen verliert an Bedeutung. Stattdessen entstehen zahlreiche Micro Occasions:
Für Betreiber bedeutet das längere Umsatzzeiten, aber auch höhere Anforderungen an Produktionsgeschwindigkeit, Equipment-Flexibilität und standardisierte Prozesse.
Ein weiterer Trend aus dem „Future Menus 2026“-Report ist „Street Food Couture“. Bao Buns, Tacos und Fried Chicken werden handwerklich veredelt, hochwertig inszeniert und zu Signature-Gerichten mit hoher Wiedererkennbarkeit. Der wirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand: höhere Margen durch Premiumisierung, stärkere Social-Media-Tauglichkeit und reduzierte Komplexität durch fokussierte Speisekarten. Die Verbindung von Einfachheit, Storytelling und visueller Attraktivität wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor.
Die aktuellen Marktdaten und Trendanalysen zeigen eine klare Richtung. Gastronomie entwickelt sich zu einem datengetriebenen, hochflexiblen und emotional inszenierten Geschäftsmodell.
Wer künftig erfolgreich sein will, muss fünf Faktoren konsequent miteinander verbinden:
HostMilano 2027 wird genau diese Entwicklungen sichtbar machen und damit erneut zur zentralen Plattform für alle, die die Zukunft der Hospitality aktiv gestalten wollen. Entscheidend ist, wie intelligent, flexibel und strategisch Gastronomie heute gedacht wird.
Alexandra Gorsche ist Food-Journalistin, Moderatorin, Speakerin, Beraterin und kulinarische Stimme mit klarem Fokus auf Fine Dining, Hospitality und zeitgenössische Restaurantkultur. Sie ist Chefredakteurin von Genusspunkt, verantwortet die kulinarische Leitung von stayinart und schreibt für renommierte Verlage und Medienmarken wie den Callwey Verlag. In ihrer Arbeit verbindet sie Gastronomie, Kultur, Design, Reisen und Unternehmertum von Michelin-prämierten Restaurants bis hin zu aktuellen Food-Trends, prägenden Küchenpersönlichkeiten und innovativen Hospitality-Konzepten.
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Der weltweite Markt für professionelle Küchentechnik wächst auf 77,7 Milliarden Euro. HostMilano 2027 zeigt, wie KI, offene Küchen, modulare Konzepte und authentische Kulinarik die Gastronomie neu definieren.