Erlebnis statt Standard

Die neue Rolle der Gastronomie in Hotels
Pierre Nierhaus © Foto Joppen
24. Februar 2025 | 
Pierre Nierhaus

Die Reise- und Hotelbranche durchläuft einen tiefgreifenden Wandel, geprägt von neuen Gästewünschen und einem veränderten Markt. Die Branche hat erkannt, dass eine attraktive Gastronomie Erlebnisse schafft, das Profil schärft und so profitables Storytelling ermöglicht. Hoteliers treffen die Grundsatzentscheidung: richtig gute Gastronomie oder Reduktion auf Minimalversorgung z.B. durch Automaten und Kioske an der Rezeption. Digitale Technologien spielen eine immer größere Rolle: Kontaktloses Einchecken, digitale Zahlungsmethoden und Roboter zur Unterstützung bei Reinigung und Buffets sind auf dem Vormarsch.

Location & Emotion

Zwei Faktoren bestimmen die Hotelwahl: Erlebnisse oder die beste Lage. Gäste erwarten unvergessliche Momente, sei es durch einzigartige Gastronomie, außergewöhnliche Hotelkonzepte oder Veranstaltungen mit Mehrwert wie Teambuilding-Workshops oder kreative Strategiemeetings, gerne in schönen Räumen und ungewöhnlichen Hotels in der Natur. Für die Generation Z zählen vor allem eine Spitzenlage und eine Top-Story. Gleichzeitig gewinnen nachhaltige, grüne Hotels mit Energieeffizienz und regionaler Küche an Bedeutung. Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Verbindung zur lokalen Community.

Von Ultra-Luxus bis Minimalismus

Luxus wird dabei neu definiert. Während einige „5-Sternler“ heimlich abspecken und eigentlich nur noch auf 4-Sterne-Niveau operieren, setzen andere auf Ultra-Luxus wie Rosewood und Six Senses oder auf Exklusivität wie die Aman Hotels und Club-Charakter wie Soho Home. Lean Luxury mit schlankem, nachhaltigem Lebensstil ist vor allem bei der Avantgarde und jüngeren Reisenden angesagt. Neue Akteure wie Limehome kombinieren Minimalismus und Digitalisierung und transformieren Gewerbeflächen in funktionale Hotels mit gut designten Zimmern ohne eigene Gastronomie, aber mit Kooperationen mit externen Anbietern.

Wellness und Longevity

Der Wellness-Trend boomt, insbesondere im Premiumsegment mit Fokus auf Langlebigkeit (Longevity) sowie Medical Wellness, wie beim Lanser Hof. Hohe Energiekosten erfordern moderne Technik und eine konsequente Positionierung mit ganzheitlichem Wellnesskonzept. Ein bisschen Wellness funktioniert nicht mehr.

Von nachhaltigem Reisen bis Metropolenbunker

Kurztrips und nachhaltiges Reisen gewinnen an Beliebtheit, ebenso Digital Detox im Off-Line Urlaub. Immer mehr Städte, wie Den Haag, Amsterdam, Barcelona und Venedig, schränken den Tourismus ein und setzen auf nachhaltige Praktiken, wie begrenzte Kreuzfahrtschiffe und gezielte Anti-Werbung, um den Tourismus zu regulieren und die Umwelt zu schützen. Gleichzeitig steigen die Hotelpreise, besonders in internationalen Metropolen wie New York, während neue Nutzungskonzepte wie Multiuse-Immobilien – etwa Hamburgs Bunker mit Hotel, Büros und Freizeitangeboten – den Markt bereichern.

KI 2026

Vom Experiment zur Struktur

Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Betriebe angekommen – doch 2026 wird sie zur strukturellen Aufgabe. Nicht mehr das Testen einzelner Tools steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie KI verlässlich, wirksam und organisationsweit eingesetzt werden kann. Beispiele aus Tourismus, Events und Organisationen zeigen bereits heute, wie Skalierung in der Praxis funktioniert – und wo KI konkret entlastet.

Für das Jahr 2026 zeichnet sich ein klarer Wendepunkt ab. Der firmenweite Einsatz von KI rückt in den Mittelpunkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Hamburger KI-Experte und Interim Manager Eckhart Hilgenstock, der zahlreiche nationale und internationale Studien zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz analysiert hat. Sein Fazit ist eindeutig: „Nach der Phase der Pilotprojekte 2024/25 streben viele Unternehmen für 2026 die Skalierung der KI innerhalb ihrer Organisation an.“

Pasta war nie nur al dente

Warum Italiens Küche gerade radikal neu geschrieben wird

Italien wurde 2025 offiziell UNESCO-Weltkulturerbe – kulinarisch. Nicht ein Gericht. Nicht ein Produkt. Eine ganze Küche. Als „System sozialer Praktiken, regionaler Traditionen und kollektiver Rituale“. Die Initiative für diese historische Anerkennung wurde maßgeblich vom traditionsreichen Kulinarikmagazin La Cucina Italiana angestoßen, dessen Chefredakteurin Maddalena Fossati Dondero den internationalen Vorstoß zur UNESCO-Listung italienischer Kochkultur seit 2020 aktiv vorantrieb.

Und ausgerechnet jetzt wird Pasta neu erfunden. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Wahrheit logische Konsequenz: Wenn eine Küche kulturelles Erbe ist, darf sie nicht erstarren. Sie muss sich weiterentwickeln. Pasta ist dabei nicht Beilage. Sie ist Bühne.

Trendspotting München

Dry January: Vom Monatsphänomen zum Branchenstandard

Dry January ist längst kein Verzichtsmonat mehr. Er ist ein Seismograf. Für veränderte Gästewünsche. Für bewusstere Konsummuster. Für eine neue Ästhetik des Genusses. Wer 2026 noch glaubt, alkoholfreie Drinks seien bloß Limonade im Kristallglas, hat den Trend nicht verstanden. In der Bar Montez im Rosewood Munich zeigt Bar Manager Mario Sel, wie anspruchsvoll, strukturiert und gastronomisch relevant alkoholfreie Kreationen heute sein können und warum sie längst ein strategischer Bestandteil zeitgemäßer Barkultur sind.

quick & dirty
Faena Hotel, Miami © Pierre Nierhaus
Erlebnis statt Standard

Die Reise- und Hotelbranche durchläuft einen tiefgreifenden Wandel, geprägt von neuen Gästewünschen und einem veränderten Markt. Die Branche hat erkannt, dass eine attraktive Gastronomie Erlebnisse schafft, das Profil schärft und so profitables Storytelling ermöglicht. Hoteliers treffen die Grundsatzentscheidung: richtig gute Gastronomie oder Reduktion auf Minimalversorgung z.B. durch Automaten und Kioske an der Rezeption. Digitale Technologien spielen eine immer größere Rolle: Kontaktloses Einchecken, digitale Zahlungsmethoden und Roboter zur Unterstützung bei Reinigung und Buffets sind auf dem Vormarsch.