Zürich trifft Ghana

Wie Sprüngli mit globalen Kooperationen neue Impulse in der Haute Chocolaterie setzt
© Sprüngli
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
14. März 2026 | 
Alexandra Gorsche

Eine traditionsreiche Zürcher Confiserie, afrikanische Gewürze und eine neue Perspektive auf Herkunft und Handwerk: Zum 190-jährigen Jubiläum schlägt die Confiserie Sprüngli ein bemerkenswertes Kapitel auf. Mit einer limitierten Praliné-Edition gemeinsam mit der ghanaischen Manufaktur Midunu verbindet das Familienunternehmen afrikanische Aromatik mit Schweizer Confiseriekunst. Für die Branche zeigt diese Kooperation exemplarisch, wie Premium-Chocolatiers Innovation, Herkunft und Nachhaltigkeit strategisch zusammenführen.

Eine Kooperation, die mehr ist als ein Jubiläumsprojekt

Wenn ein 190 Jahre altes Unternehmen neue Wege geht, geschieht das selten zufällig. Im Jubiläumsjahr nutzt Sprüngli die Aufmerksamkeit bewusst für ein Thema, das die Zukunft der Chocolaterie zunehmend prägt: Herkunft, kultureller Austausch und neue Aromawelten.

Die Zusammenarbeit mit Midunu ist deshalb weit mehr als eine symbolische Kooperation. Sie bringt zwei kulinarische Welten zusammen: Die traditionsreiche Zürcher Confiseriekunst und eine moderne Interpretation afrikanischer Kulinarik. Gegründet wurde Midunu von der ghanaischen Köchin Selassie Atadika, die international für ihre Interpretation der sogenannten New African Cuisine bekannt ist. Ihre Arbeit verbindet kulinarische Präzision mit einem tiefen Respekt vor Herkunft, Zutaten und kultureller Erinnerung. Genau diese Werte treffen auch den Kern der Sprüngli-Philosophie.

Wenn Kakaoherkunft zur Inspirationsquelle wird

Der Ausgangspunkt der Kooperation liegt nicht in einem Marketingkonzept, sondern im Rohstoff selbst. Die Kakaobohnen für die Grand-Cru-Schokolade Suhum, Cacao 65% stammen aus der Region Suhum in Ghana, also genau dort, wo auch Midunu verankert ist. Damit entsteht eine kulinarische Verbindung entlang der gesamten Wertschöpfungskette: vom Kakaoanbau bis zur fertigen Praliné.

Für die internationale Chocolaterie ist dieser Ansatz besonders relevant. Immer mehr Premiumhersteller rücken die geografische Herkunft des Kakaos in den Mittelpunkt, ähnlich dem Terroir-Gedanken im Wein. Sprüngli gehört dabei zu den Pionieren der Grand-Cru-Schokolade in der Schweiz. Edelkakaos aus ausgewählten Provenienzen bilden die Grundlage für differenzierte Aromaprofile und eine klare Premiumpositionierung.

Vier Pralinés als kulinarischer Dialog

Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist eine limitierte Kollektion von vier Grand-Cru-Pralinés, die afrikanische Gewürze und Zutaten mit klassischer Confiserietechnik verbinden.

  • Westafrikanisches Basilikum
    Seidiger Rahmkaramell mit weißer Schokolade wird durch westafrikanisches Basilikum aromatisiert. Die Hülle aus Grand-Cru-Schokolade Suhum bringt gezähmte Bitterstoffe und feine Malzaromen ins Spiel.
  • Ingwer-Zitronengras
    Eine weiße Schokoladenganache mit Ingwer und Zitronengras sorgt für eine frische, lebendige Aromatik, die von der Grand-Cru-Schokolade ausbalanciert wird.
  • Passionsfrucht-Pfeffer
    Aschanti-Pfeffer und Paradieskörner verleihen einer Grand-Cru-Ganache mit Passionsfrucht und Kakaobohnencrunch eine warme, komplexe Würze.
  • Hibiskus
    Hibiskusblüten aus Nigeria geben einer cremigen weissen Ganache florale Frische und ein leicht säuerliches Aromaprofil.

Alle Pralinés werden von Hand in der Sprüngli-Manufaktur in Dietikon gefertigt – ein zentraler Bestandteil der Qualitätsphilosophie des Hauses.

Haute Chocolaterie zwischen Tradition und Innovation

Dass ein traditionsreiches Familienunternehmen solche Kooperationen eingeht, zeigt eine strategische Entwicklung innerhalb der Branche. Die Confiserie Sprüngli wurde 1836 von David Sprüngli gegründet und gehört zu den prägenden Institutionen der Schweizer Confiseriekultur. Heute wird das Unternehmen in sechster Generation von Milan Prenosil und Tomas Prenosil geführt.

Im Laufe seiner Geschichte hat sich Sprüngli immer wieder neu positioniert – etwa durch die Einführung der legendären Luxemburgerli, die seit 1957 zu den bekanntesten Schweizer Confiseriespezialitäten zählen. Auch technologisch und strategisch setzte das Unternehmen immer wieder Impulse. So gehörte Sprüngli zu den ersten Confiserieunternehmen der Branche, die bereits 1998 eine eigene Internetpräsenz aufbauten.

Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Parallel zur Produktinnovation rückt ein weiteres Thema stärker in den Fokus: Nachhaltigkeit. Das Nachhaltigkeitsmanifest von Sprüngli, veröffentlicht 2020, definiert klare Ziele entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Verpackung. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:

  • energieeffiziente Produktionsprozesse
  • Reduktion von Plastik und Förderung recycelbarer Materialien
  • Strategien zur Vermeidung von Food Waste
  • faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette

Besonders bemerkenswert sind die Gesundheitsprojekte für Kakaobauern in mehreren Ursprungsländern. Gemeinsam mit Partnern unterstützt Sprüngli medizinische Versorgung für Bauernfamilien in Ghana, Ecuador, Venezuela und Madagaskar. Durch die Finanzierung von Krankenversicherungen sowie medizinischen Behandlungen erhalten viele Familien erstmals Zugang zu professioneller Gesundheitsversorgung.

Qualität beginnt bei den Zutaten

Neben Kakao spielt auch die Herkunft anderer Rohstoffe eine zentrale Rolle. Sprüngli setzt konsequent auf hochwertige Zutaten. Milchprodukte und Zucker stammen ausschließlich von Schweizer Produzenten. Für die Pâtisserie und die Luxemburgerli werden Schweizer Freilandeier eingesetzt. Zudem wird IP-SUISSE-zertifiziertes Mehl verwendet und ausschließlich natürliche Vanille aus Madagaskar und La Réunion verarbeitet. Wann immer möglich stammen Früchte ebenfalls aus Schweizer Familienbetrieben, mit denen das Unternehmen langfristige Partnerschaften pflegt. Dieser Fokus auf Frische und Herkunft ermöglicht es, weitgehend auf Konservierungsstoffe zu verzichten.

Premiumpositionierung mit klarer Markenwelt

Heute betreibt Sprüngli 30 eigene Geschäfte in der Schweiz, unter anderem in Zürich, Basel, Bern, Luzern, Genf und Zermatt. Neben dem Confiseriegeschäft spielt auch Gastronomie eine wichtige Rolle im Markenerlebnis. Das traditionsreiche Café & Restaurant am Zürcher Paradeplatz gilt als eine der bekanntesten kulinarischen Institutionen der Stadt. Durch die Verbindung von Confiserie, Gastronomie und Erlebnis schafft Sprüngli eine Markenwelt, die weit über klassische Produktverkäufe hinausgeht.

Was die Branche aus der Kooperation lernen kann

Die Zusammenarbeit zwischen Sprüngli und Midunu zeigt exemplarisch, wohin sich die Premium-Chocolaterie entwickelt. Drei Trends werden besonders deutlich:

  1. Herkunft wird zum zentralen Qualitätsmerkmal
    Kakao wird zunehmend wie ein Terroirprodukt betrachtet.
  2. Kulinarische Kooperationen schaffen neue Aromawelten
    Der Austausch zwischen verschiedenen gastronomischen Kulturen eröffnet kreative Möglichkeiten.
  3. Nachhaltigkeit wird Teil der Markenidentität
    Transparente Wertschöpfungsketten werden zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

Unser Fazit: Ein Jubiläum mit Blick in die Zukunft

Das 190-jährige Jubiläum der Confiserie Sprüngli ist mehr als ein historischer Meilenstein. Es zeigt, wie ein traditionsreiches Familienunternehmen seine Vergangenheit nutzt, um neue Impulse für die Zukunft zu setzen. Die Kooperation mit Midunu steht exemplarisch für eine moderne Interpretation der Haute Chocolaterie: verwurzelt in handwerklicher Tradition, inspiriert von globalen Aromen und getragen von einem wachsenden Bewusstsein für Herkunft und Verantwortung. Für die internationale Chocolateriebranche ist das ein klares Signal: Die Zukunft der Schokolade entsteht dort, wo Handwerk, Herkunft und kultureller Austausch zusammenkommen.

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