
„Fermentation ist im Kern eine Verwandlung – Lebensmittel werden mithilfe von Mikroorganismen in ein neues, verbessertes Produkt verwandelt."
Alexandra Klein, „Kräutermadame“
Einordnung, Prozesswissen und Anwendungsideen mit Stimmen von Alexandra Klein, Heiko Antoniewicz und Lukas Nagl.
Fermentation liefert in der professionellen Küche Geschmacksintensität, Haltbarkeit und narrative Mehrwerte. Zwischen klassischer Milchsäuregärung und moderner Enzymfermentation entstehen Profile, die Regionalität schärfen, Kalkulation stabilisieren und Food Waste reduzieren. Alexandra Klein hält fest: „Fermentation ist im Kern eine Verwandlung – Lebensmittel werden mithilfe von Mikroorganismen in ein neues, verbessertes Produkt verwandelt.“
In einer Zeit, in der kulinarische Konzepte zunehmend vergleichbar wirken, bietet Fermentation eine Möglichkeit, den eigenen Stil zu zeigen. Regionalität und Saisonalität lassen sich damit nicht nur kulinarisch, sondern auch kommunikativ inszenieren. „Regionalität ist beim Fermentieren enorm wichtig – Pestizidfreiheit ist entscheidend. So entsteht eine kulinarische Verbindung von Landschaft, Jahreszeit und Geschmack“, erklärt Klein.
Fermentatives wird dosiert eingesetzt: kleine Akzente im Tellerbild, Miso-Butter im Brotservice, Kombucha-Vinaigrette im Salat, alkoholfreie Pairings in der Bar. Klare Menütexte und kurze Servicestorys erhöhen Akzeptanz. Klein gibt zu Bedenken: „Viele vertragen größere Mengen an Fermenten anfangs nicht; regelmäßiger Konsum steigert die Bekömmlichkeit. Daher moderat dosieren.“
Die Lacto-Fermentation gilt als zuverlässig und kalkulierbar: Pickles (Gurke, Karotte, Kohlrabi), Sauerkraut und Kimchi sind bewährte Formate. In Küche und Bar bieten Sauerteig, Kombucha und Milchkefir schnelle Einsatzmöglichkeiten. „Zum Start genügen Salz, Essig, Zucker und als Starterkultur ein Ansatz aus einem anderen Ferment (bagslopping). Gemüse erlaubt das Beobachten der Reifegrade und jederzeitige Kostproben“, erklärt Heiko Antoniewicz. Die Faustregel für Lake: ca. 2 % Salz. Kleinere Chargen erleichtern Kontrolle, Dokumentation und Skalierung.
Fermentierte Komponenten schließen sensorische Lücken, insbesondere in pflanzenbasierten Menüs. Miso, Garum, Koji-Extrakte und Schwarzer Knoblauch liefern Tiefe, ohne Hauptaromen zu überdecken, weiß Antoniewicz: „Fermentiertes Gemüse bringt ein natürlich herzhaft-salziges Profil, das in reinen Gemüsegerichten die gewünschte Tiefe erzeugt.“ Ein Sonderfall ist Kaffee als Würzmittel (in Öl oder Salz) knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle: ein Tiefenbooster ohne Dominanz.
Die gezielte Nutzung von Enzymen (z. B. aus Pilzen/Bakterien) ermöglicht geschmackliche Punktlandungen und stärkt Kreislaufprinzipien. Antoniewicz erklärt: „Enzymfermentation ist der logische nächste Schritt. Moderne Technologien unterstützen schonende Verarbeitung und neue Geschmacksbilder.“ Offener Wissenstransfer beschleunigt Entwicklung und Qualitätssicherung – ein professioneller Diskurs ersetzt Geheimniskrämerei.
Regelmäßig angesetzte Chargen sichern Frische im Winter und verwerten Überschüsse. Reife Früchte lassen sich fermentativ erhalten; scheinbar minderwertige Ware gewinnt an Wert. Gurkerl als kultureller Fixpunkt der österreichischen Küche erhalten durch Weichselblätter Tannine und Struktur. Lukas Nagl hebt hervor: „Dinge, die auf den ersten Blick keinen Wert haben, bekommen Wert.“
Zentrale Stellhebel sind Temperatur, Salzgehalt, pH-Wert und Sauerstoffmanagement. Sauberes Arbeiten, präzise Waage und Temperaturführung sind obligatorisch. Bei komplexen Fermenten (Garum, Shoyu, Soßen) sind mikrobiologische Prüfungen sinnvoll. Nagl hält fest: „Salz wirkt wie ein Türsteher und muss im richtigen Ausmaß dosiert werden. Akribie schlägt Improvisation.“
Skalierung benötigt pH-Sonden, Temperatur-Logging, Chargenblätter und ggf. Lebensmitteltechnologie im Prozess. Hochspezialisierte Bausteine (etwa Koji-Sporen) werden in vielen Spitzenbetrieben bewusst zugekauft, um Qualität zu sichern. Nagl stellt fest: „Fokus auf das, was wirklich gut gelingt – nicht alles muss inhouse erzeugt werden.“
Statt Kopien globaler Vorbilder entstehen regionale Varianten: Sojasaucen-Analoga aus Kürbiskern-Presskuchen oder Weizen, Süßwasser-Garum als Spiegel des Ortes. Koji dient als enzymatisches Werkzeug, nicht als Selbstzweck. Nagl sieht es klar: „Nicht imitieren, sondern integrieren – das bildet Terroir ab und schafft Unterscheidbarkeit.“
Eine Grundausstattung umfasst lebensmittelechte Gärgefäße, präzise Waage, pH-Meter, Thermometer, ggf. Vakuumierer. Standardisierte Reinigungs- und Desinfektionspläne und strukturierte Dokumentation (Datum, Rohstoff, Salz %, Temperatur, pH, Sensorik) sind Pflicht.
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Einordnung, Prozesswissen und Anwendungsideen mit Stimmen von Alexandra Klein, Heiko Antoniewicz und Lukas Nagl.