expert spotlight

Küchenpsychologie neu gedacht

Dominik Wachter und die Kunst, Emotionen auf den Teller zu bringen
Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
20. Januar 2025 |
Alexandra Gorsche

„Ich bin ein Priener durch und durch, und das wird sich niemals ändern.“

So beschreibt Dominik Wachter, Sternekoch und Visionär, seine tiefe Verbindung zu seiner Heimat. Im malerischen Prien am Chiemsee hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt: Im Oktober 2022 eröffnete er die Wachter Foodbar in der ehemaligen Kochschule seines Mentors Thomas Mühlberger. Seither wurde sein Restaurant gleich zwei Jahre in Folge mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Doch was macht die Wachter Foodbar so besonders? Es geht um weit mehr als nur exzellente Speisen – es geht um Küchenpsychologie. Wir haben Dominik besucht, um mit ihm über dieses spannende Konzept zu sprechen.

Sternekoch Dominik Wachter – Reise durch Geschmack, Emotion und Genuss

ALEXANDRA GORSCHE: Dominik, was bedeutet für dich Küchenpsychologie?
DOMINIK WACHTER: Mit Küchenpsychologie beschreibe ich meine Philosophie und meinen Anspruch, unsere Gäste auf eine Reise mitzunehmen. Sie sollen das Konzept der Wachter Foodbar mit allen Sinnen erleben. Dabei steht natürlich das Menü im Mittelpunkt, doch der Weg dahin – die Geschichten, die wir dazu erzählen – macht den Unterschied.

Inwiefern beeinflusst die Präsentation den Geschmack eines Gerichts?
Die Präsentation ist essenziell. Es geht nicht nur um Optik, sondern auch um die Geschichte, die ein Gericht erzählt. Woher kommen die Zutaten? Wie haben wir das Gericht zubereitet? Diese Geschichten schaffen eine emotionale Bindung zwischen Gast und Menü. Das Gericht wird bewusster wahrgenommen, was das Geschmackserlebnis intensiviert.

Welche Rolle spielen psychologische Aspekte bei der Menüplanung?
Die Jahreszeit hat einen großen Einfluss. Unsere Stimmung wird von der Umgebung beeinflusst, und das spiegelt sich in unseren Menüs wider. Im Sommer servieren wir leichte, frische Gerichte, im Winter eher warme, gehaltvolle Speisen. Dazu kommen passende Getränke, die das Erlebnis abrunden – wie ein Champagner ohne Dosage für heiße Tage oder ein holzgereifter Wein für den Winter.

Farben und Texturen – wie setzt du sie ein, um Emotionen hervorzurufen?
Harmonie ist für mich entscheidend. In meiner Küche verzichte ich bewusst auf grelle Farben oder künstliche Kontraste. Stattdessen setze ich auf gedeckte Töne und natürliche Farben. Kontraste entstehen bei uns durch Texturen und Temperaturen – cremig bis crunchy, warm bis kalt. Dadurch wird das Essen zu einem vielschichtigen Erlebnis.

Wie wichtig ist das Ambiente deines Restaurants für das Gesamterlebnis?
Das Ambiente ist der Rahmen für den Genuss. Unsere Foodbar soll sich anfühlen wie eine Kombination aus Speisekammer und Wohnzimmer. Ein Ort, an dem man den Alltagsstress vergisst und einfach genießen kann. Das gilt auch für unser Team, das professionell, aber locker auftritt, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Gibt es Gerichte, die gezielt Emotionen wecken sollen?
Absolut! Viele Gäste verbinden bestimmte Gerichte mit Erinnerungen – wie Tafelspitz oder Königsberger Klopse. Solche Gerichte als Gruß aus der Küche zu servieren, kann echte Glücksmomente schaffen. Emotionen spielen bei uns immer eine Rolle, sei es durch Erinnerungen oder durch das Gefühl von Heimat.

Wie wichtig sind Trends in deiner Arbeit?
Ich folge nicht jedem Trend, sondern konzentriere mich auf Qualität und Nachhaltigkeit. Unsere Philosophie basiert auf regionalen Produkten und traditionellen Techniken – das ist zeitlos und nachhaltig.

Wie viel von dir selbst steckt in deiner Küche?
Hundert Prozent. Meine Küche ist ein Ausdruck meiner Persönlichkeit und meiner Überzeugungen. Ich glaube fest daran, dass der Gast spürt, ob ein Koch mit Leidenschaft bei der Sache ist. Und genau das macht den Unterschied.

Unsere Foodbar soll sich anfühlen wie eine Kombination aus Speisekammer und Wohnzimmer.

Über Dominik Wachter

Dominik Wachter, geboren am 12. Juni 1988 in Rimsting, begann seine kulinarische Reise bei Thomas Mühlberger in Prien. Nach Jahren als Küchenchef eröffnete er 2022 die Wachter Foodbar, die heute für regionale Spitzenküche mit interkulturellen Einflüssen steht. Sein Fokus auf Qualität und Innovation hat ihm zwei Michelin-Sterne eingebracht und seine Philosophie zu einer Inspiration für Genießer gemacht.

Unsere Foodbar soll sich anfühlen wie eine Kombination aus Speisekammer und Wohnzimmer.

13. Februar 2026

Wiener Kaffeehauskultur im digitalen Wandel

Wie moderne Cafés Tradition und Technologie verbinden

Das Wiener Café Balthasar zeigt, wie nachhaltige Haltung, digitale Prozesse und echte Gastfreundschaft heute zusammenspielen und das ganz ohne die Seele des Kaffeehauses zu verlieren.

12. Februar 2026

Nacht der Sterne & ahgz Sterne Awards

Ein Ranking auf neutralem Boden

Im Interview erklärt der Gesamtverlagsleiter bei der dfv Mediengruppe, Thomas Meyer, warum die Nacht der Sterne mehr ist als eine Gala – und weshalb das ahgz-Ranking der Spitzengastronomie echte Orientierung im deutschsprachigen Raum bietet: Über Verantwortung, Netzwerk und Qualitätsjournalismus

2. Februar 2026

„Wir bauen keine Hotels. Wir bauen Orte, von denen Familien abhängig werden.“

Ralph A. Riffeser über das Cavallino Bianco Caorle, Luxus ohne Rabattdenken

Was passiert, wenn ein Hotelier sein ganzes Lebenswerk auf eine einzige Idee zuspitzt – und sie radikal neu denkt? Ralph A. Riffeser erklärt im Gespräch, warum sein neues Cavallino Bianco Caorle kein Resort, sondern ein emotionales System ist: für Eltern, für Kinder – und für eine neue Definition von Luxus.

quick & dirty
Dominik Wachter Foto beigestellt
Küchenpsychologie neu gedacht

So beschreibt Dominik Wachter, Sternekoch und Visionär, seine tiefe Verbindung zu seiner Heimat. Im malerischen Prien am Chiemsee hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt: Im Oktober 2022 eröffnete er die Wachter Foodbar in der ehemaligen Kochschule seines Mentors Thomas Mühlberger. Seither wurde sein Restaurant gleich zwei Jahre in Folge mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Doch was macht die Wachter Foodbar so besonders? Es geht um weit mehr als nur exzellente Speisen – es geht um Küchenpsychologie. Wir haben Dominik besucht, um mit ihm über dieses spannende Konzept zu sprechen.