„Dings“ als Hidden Champion

Im Alltag sind wir vor allem eins: herrlich pragmatisch.
© Priscilla Du Preez / Unsplash
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Stefan Häseli
1. Juli 2026 | 
Stefan Häseli

Haben Sie sich im Sommerurlaub schon mal dabei ertappt, wie Sie am Strandkiosk standen und sagten: „Ich hätte gerne zwei Kugeln von dem… äh… Eis-Dings da“? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gerade die vermeintlich wichtigste Vokabel der deutschen Sprache benutzt.

Hitliste der Sprache

Wenn die Sprachwissenschaft unsere Schriftsprache auf die meist be- und genutzten Worte untersucht, landen dort immer die üblichen Verdächtigen auf Platz eins: der, die, das, und, in. Das ist die Theorie. In der Praxis, also da, wo die Sonne scheint und das Leben am See, auf dem überfüllten Wanderweg oder in dem wunderschön gelegenen Bergrestaurant stattfindet, sieht die Sache selbstredend völlig anders aus. Würde man unser gesprochenes Deutsch aufzeichnen, sähe die Hitliste (selbstverständlich nicht empirisch validiert, sondern basierend auf Zuhör-Statistiken) unserer Sprache eher so aus:

  • Platz 3: „Also“
    Das Schweizer Taschenmesser der Rhetorik. Wir nutzen es, um Gespräche zu beginnen, um Pausen zu überbrücken oder um elegant das Thema zu wechseln, wenn uns die Hitze das Gehirn verklebt hat. „Also… gehen wir jetzt baden?“
  • Platz 2: „Ja“
    Nicht zu verwechseln mit dem schlichten Gegenteil von „Nein“. Das Alltags-„Ja“ ist ein Chamäleon. So zeigt ein „hast du gesagt, ja“ v.a. ein „Ich höre dir zu“. Oder ein „Das war ja mal wieder klar“ will v.a. verstärken und spielt mit versteckten Hierarchien in der Kommunikation. Manchmal deklariert es auch einfach eine vermeintliche Selbstverständlichkeit, wie z.B. „Fühlt sich gerade sehr heiß an, es hat ja auch 30 Grad“.
  • Platz 1: „Dings“
    Die Wortkönigin des Alltags. Während wir beim Schreiben mühsam nach Begriffen wie „Sonnenmilch-Applikator“ oder „Hängematten-Befestigungshaken“ suchen, löst man im gesprochenen Wort das Problem in Millisekunden. „Reich mir mal das Dings.“ Und das Wunder ist: Jeder weiß sofort, was gemeint ist …meistens. „Dings“ ist die sprachliche Flatrate für alles, was uns gerade zu anstrengend zum Nachdenken ist.

Das Fazit?

Wir deutschsprachigen Menschen gelten (ja) weltweit als Teil des Volkes der Dichter und Denker, das für jedes Detail ein eigenes, dreißigbuchstabiges Wort parat hat. Aber im Alltag, zwischen Freibadpommes und lauen Sommerabenden, sind wir vor allem eins: herrlich pragmatisch. (Also) wir brauchen keine komplizierte Grammatik, um uns zu verstehen. Ein freundliches „Ja, also… Dings halt, ne?“ reicht völlig aus, um die Welt zu erklären.

In diesem Sinne: Genießen Sie den Sommer. Und vergessen Sie die… wie heißt das Dings nochmal… ach ja, die Sonnenbrille … nicht!

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Buchtipp: Die Chemie des Backens

Wissen, das Sicherheit gibt

Backen ist Präzision – und genau hier setzt Die Chemie des Backens an. Nicola Lamb erklärt nicht nur wie etwas gelingt, sondern vor allem warum. Fundiertes naturwissenschaftliches Wissen trifft auf praxisnahe Backrealität, verständlich auf- bereitet und frei von Küchenmythen. Von Mehl, Zucker, Eiern und Fett bis hin zu typischen Fehlern bei Ganache, Biskuit oder Custard: Dieses Buch gibt Sicherheit durch Verständnis.

Über 100 Rezepte, nach Zeitaufwand gegliedert, übersetzen die Theorie in die Praxis – von schnellen Projekten bis zu ambitionierten Klassikern. Ein Buch, das die Angst vor dem Scheitern nimmt und Backen als erlernbares Handwerk begreifbar macht. Pflichtlektüre für alle, die genauer wissen wollen, was im Ofen wirklich passiert.

INFO
Die Chemie des Backens
Autorin: Nicola Lamb
Verlag: Edition Michael Fischer / EMF Verlag
Umfang: 352 Seiten
ISBN: 978-3-7459-2936-2
Preis: € 35,00 (DE), € 36,00 (AT)
Erscheinung: September 2025

Buchtipp: Zu Gast in Rom

Die Stadt schmecken lernen

Rom erschließt sich am besten über den Teller. Zu Gast in Rom ist weniger klassisches Kochbuch als kulinarischer Stadtspaziergang – geführt von Stefan Maiwald und visuell getragen von Andrea Di Lorenzo. Zwischen Antipasti und Dolci entfaltet sich die römische Küche als gelebte Kultur: ehrlich, reduziert und tief verwurzelt.

Neben ikonischen Rezepten wie Cacio e Pepe, Carciofi alla Romana oder Saltimbocca öffnet das Buch Türen zu versteckten Trattorien, Märkten und Cafés, die fernab touristischer Routen liegen. Anekdoten, historische Einordnungen und präzise Insidertipps machen klar, warum Essen in Rom immer auch Identität ist. Ein Band, der Reise und Küche verbindet – und Lust macht, Rom mit allen Sinnen zu erleben, vor Ort wie zu Hause.

INFO
Zu Gast in Rom
Autor: Stefan Maiwald
Fotografie: Andrea Di Lorenzo
Verlag: Callwey
Umfang: 224 Seiten
ISBN: 978-3-7667-2822-7
Preis: € 45,00
Erscheinung: September 2025

Buchtipp: Hadn – Das Buchweizen-Kochbuch

Ein heimisches Superkorn zwischen Tradition, Moderne und Zukunft

Buchweizen, in Südkärnten liebevoll Hadn genannt, ist eines dieser Produkte, die leise verschwunden sind – und nun mit neuer Selbstverständlichkeit zurückkehren. HADN – Das Buchweizen Kochbuch widmet sich diesem fast vergessenen Kraftkorn mit bemerkenswerter Konsequenz: kulinarisch, kulturell und regional verankert.

Gemeinsam mit der Tourismusregion Klopeiner See – Südkärnten – Lavanttal begibt sich Foodexpertin und Redakteurin cookingCatrin (Catrin Ferrari-Brunnenfeld) auf eine Reise zu den Wurzeln des Kärntner Hadn. Das Buch verbindet über 55 kreative süße und pikante Rezepte mit fundiertem Hintergrundwissen – vom Anbau über die Geschichte bis hin zur heutigen Bedeutung als glutenfreies, nährstoffreiches Superfood. Hadn wird dabei nicht nur als Mehl gedacht, sondern ebenso als Grieß oder Reis: modern interpretiert, alltagstauglich und überraschend vielseitig.

INFO
HADN – Das Buchweizen Kochbuch
Autor:innen: Catrin Ferrari-Brunnenfeld (cookingCatrin)
Herausgeber: Tourismusregion Klopeiner See – Südkärnten – Lavanttal / KSL Tourismus Marketing GmbH
Umfang: 180 Seiten
ISBN: 978-3-200-09933-3
Preis: € 24,90
Erscheinungsdatum: September 2025

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„Dings“ als Hidden Champion

Haben Sie sich im Sommerurlaub schon mal dabei ertappt, wie Sie am Strandkiosk standen und sagten: „Ich hätte gerne zwei Kugeln von dem… äh… Eis-Dings da“? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gerade die vermeintlich wichtigste Vokabel der deutschen Sprache benutzt.