KI 2026

Vom Experiment zur Struktur
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
26. April 2026 | 
Alexandra Gorsche

Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Betriebe angekommen – doch 2026 wird sie zur strukturellen Aufgabe. Nicht mehr das Testen einzelner Tools steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie KI verlässlich, wirksam und organisationsweit eingesetzt werden kann. Beispiele aus Tourismus, Events und Organisationen zeigen bereits heute, wie Skalierung in der Praxis funktioniert – und wo KI konkret entlastet.

Für das Jahr 2026 zeichnet sich ein klarer Wendepunkt ab. Der firmenweite Einsatz von KI rückt in den Mittelpunkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Hamburger KI-Experte und Interim Manager Eckhart Hilgenstock, der zahlreiche nationale und internationale Studien zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz analysiert hat. Sein Fazit ist eindeutig: „Nach der Phase der Pilotprojekte 2024/25 streben viele Unternehmen für 2026 die Skalierung der KI innerhalb ihrer Organisation an.“

Die Pilotphase ist vorbei – jetzt zählt Umsetzung

Die von Hilgenstock ausgewerteten Studien zeigen übereinstimmend: Immer mehr Unternehmen integrieren KI aktiv in ihre Prozesse. Der Fokus verschiebt sich weg von einzelnen Testanwendungen hin zu einer organisationsweiten Nutzung. Ziel ist es, die Effizienzgewinne aus Pilotprojekten auf weitere Bereiche zu übertragen. KI-Anwendungen werden dabei zunehmend über Abteilungsgrenzen hinweg eingesetzt – von Vertrieb und Backoffice über operative Prozesse bis hin zu Finanzen und Personalwesen.

Hilgenstock ordnet diese Entwicklung so ein: „Der First Mover Advantage der Pioniere von 2023 bis 2025 zahlt sich jetzt durch einen Skalierungsvorsprung derjenigen aus, die ihre Erfahrungen schnell anpassen und in ihre Organisation hineintragen können.“

Produktivität, Qualität, Tempo: Warum KI jetzt rechnet

Ein zentrales Ergebnis der Studien ist der messbare wirtschaftliche Nutzen von KI. Der Accenture-Bericht zeigt, dass generative KI manuelle, administrative Tätigkeiten automatisiert und Produktivitätssteigerungen von bis zu 40 Prozent ermöglicht – etwa in Reporting, Datenanalyse oder Content-Erstellung. IBM bestätigt deutliche Kosteneinsparungen durch strategisch implementierte KI, etwa durch optimierte operative Prozesse oder automatisierte Dokumentenverarbeitung. BCG hebt hervor, dass KI nicht nur Effizienz steigert, sondern auch die Qualität von Entscheidungen verbessert, weil Führungskräfte schneller auf belastbare Daten zugreifen können. Für Hilgenstock ist dabei entscheidend: „Strategie darf keine Ausrede für eine Vision ohne Rentabilität sein.“

Laut dem United Interim Wirtschaftsreport 2025 konzentrieren sich viele Unternehmen derzeit darauf, konkrete und wirtschaftlich sinnvolle Anwendungsfälle für KI zu identifizieren. Häufig beginnt der Einsatz in klar umrissenen Bereichen wie Business Development oder Backoffice und wird anschließend erweitert. Hilgenstock beschreibt dieses Vorgehen als sinnvoll – mit einer klaren Einschränkung: „Über die Phase der bloßen Pilotierung hinausgehend gilt es bei jedem einzelnen Projekt schon die Skalierung mitzudenken.“

Die Angst ersetzt zu werden!

Die Studien zeigen auch: Der Erfolg von KI-Projekten hängt nicht allein von Technologie ab. Unternehmenskultur und Führung spielen eine zentrale Rolle. KPMG-Analysen betonen, dass Vertrauen der Mitarbeitenden entscheidend ist. Besteht die Sorge, durch KI ersetzt zu werden, stoßen Einführungsprojekte häufig auf Widerstand. Hilgenstock beschreibt diese Dynamik aus der Praxis: „Wenn Mitarbeitende Angst haben, dass die KI sie ersetzt, werden sie jedwede KI-Einführung mehr oder minder deutlich boykottieren.“

Deshalb sei es entscheidend, früh erlebbar zu machen, wie KI konkret unterstützt. Ein Beispiel: „Wenn der Vertrieb sieht, wie man dank KI-Tools Leads generieren und neue Aufträge gewinnen kann, ist er sofort Feuer und Flamme.“ Auch auf Führungsebene verändert sich die Rolle. Studien wie Karriere mit KI zeigen, dass KI nicht nur als Risiko wahrgenommen wird, sondern auch als berufliche Chance, insbesondere für jene, die sich im Unternehmen als kompetente Ansprechpersonen etablieren.

Wenn Know-how fehlt – und Ressourcen knapp sind

Gerade im Tourismus, in der Hospitality und in destinationsnahen Organisationen zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Die Branche ist geprägt von komplexen Abläufen, saisonalen Spitzen, vielen Schnittstellen und hohem Koordinationsaufwand – von Besucher:innenströmen über Infrastruktur bis hin zu Finanzierung, Mobilität und öffentlichem Raum. Gleichzeitig fehlt es vielen Betrieben an Ressourcen, um neue Technologien risikofrei zu testen oder strategisch zu verankern.

Damit KI nicht bei einzelnen Leuchtturmprojekten stehen bleibt, braucht es strukturierte Zugänge, sichere Testumgebungen und praxisnahe Begleitung. Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum neben unternehmensinternen Initiativen auch öffentliche Innovationsinfrastrukturen eine zentrale Rolle spielen – insbesondere für kleine und mittlere Betriebe im Tourismus.

Während viele Unternehmen den Nutzen von KI erkannt haben, fehlt es oft an Ressourcen, Know-how oder sicheren Testumgebungen. Genau hier setzen European Digital Innovation Hubs (EDIHs) an.

European Digital Innovation Hubs (EDIHs)

Der EDIH Crowd in Motion – AI unterstützt Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in den Bereichen Tourismus, Mobilität, Sport und Wellbeing bei ihrer digitalen Transformation. Nach einer erfolgreichen ersten Förderperiode wird der Hub ab 2026 mit erweitertem Angebot fortgeführt. Landesrätin Daniela Gutschi betont den Stellenwert für den Tourismus: Der Hub eröffne einen einfachen Zugang zu KI, modernster Technologie und europäischer Expertise und schaffe zusätzlichen Rückenwind für Wertschöpfung, Qualifizierung und internationale Vernetzung. Koordinatorin Olivia Zechner verweist auf den erweiterten Fokus: Ab 2026 widmet sich über die Hälfte der Services gezielt der Künstlichen Intelligenz – inklusive AI Helpdesk, Anbindung an europäische KI-Infrastrukturen und verstärkten Finanzierungsmöglichkeiten.

Konkrete Anwendungen

Bereits in der ersten Förderperiode zeigte Crowd in Motion, wie KI praktisch eingesetzt werden kann:

  • eine Machbarkeitsstudie für ein KI-gestütztes Besucher:innenleitsystem im DomQuartier Salzburg
  • Crowdfunding für eine neue Gondelbahn in Fieberbrunn
  • KI-Anwendungen im öffentlichen Sektor, unter anderem mit der Stadt Villach
  • sensorbasierte KI-Projekte im Sport- und Bewegungsbereich

Diese Beispiele verdeutlichen, wie digitale Innovation und KI konkrete Herausforderungen im Tourismus und in destinationsnahen Strukturen adressieren.

Sieben Stunden pro Woche zurückgewinnen: Wie KI Event-Organisation neu ordnet

Neben Strategie und Infrastruktur rückt ein weiterer Aspekt in den Fokus: der hohe Aufwand für organisatorische Tätigkeiten. Laut einer von Perk beauftragten Studie verlieren Mitarbeitende durchschnittlich rund sieben Stunden pro Woche durch sogenannte „Shadow Work“ – administrative Aufgaben außerhalb ihrer Kernkompetenzen. Hier setzt die neue Event-Lösung von Perk an. Mit Perk Events automatisiert das Unternehmen die komplette Planung von Team-Events – von der Location-Suche über Gruppenbuchungen bis zur Reisekoordination für bis zu 5.000 Personen. President & COO Jean-Christophe Taunay-Bucalo beschreibt das Problem so: „Events sind eine der größten Quellen für indirekte Arbeit – sie rauben Teams wertvolle Zeit.“

Für Österreich verweist Managing Director Stephan Hebenstreit auf den besonderen Effizienzdruck durch Fachkräftemangel, steigende Kosten und regulatorische Anforderungen. Die Automatisierung schaffe klare Prozesse und entlaste Mitarbeitende spürbar. Auch Anwender:innen berichten von praktischen Vorteilen: „Perk Events macht mein Leben viel einfacher. Alles ist auf der Plattform zu finden“, sagt Daniela Merizaldem von Storyblok.

Unser Fazit für die Zukunft: KI als strukturierender Faktor der Zukunft

Die drei Perspektiven – Studienanalyse, Innovationsinfrastruktur und konkrete Anwendung – zeichnen ein konsistentes Bild: KI entwickelt sich vom Experiment zum strukturellen Werkzeug. Für Tourismus, Hospitality und angrenzende Bereiche bedeutet das vor allem eines: Der Erfolg von KI entscheidet sich nicht an einzelnen Tools, sondern an der Fähigkeit, Technologie, Organisation und Kultur zusammenzudenken. 2026 wird damit zu jenem Jahr, in dem nicht mehr getestet, sondern gestaltet wird.

Aus dem Genusspunkt 1/2026

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