
Italien wurde 2025 offiziell UNESCO-Weltkulturerbe – kulinarisch. Nicht ein Gericht. Nicht ein Produkt. Eine ganze Küche. Als „System sozialer Praktiken, regionaler Traditionen und kollektiver Rituale“. Die Initiative für diese historische Anerkennung wurde maßgeblich vom traditionsreichen Kulinarikmagazin La Cucina Italiana angestoßen, dessen Chefredakteurin Maddalena Fossati Dondero den internationalen Vorstoß zur UNESCO-Listung italienischer Kochkultur seit 2020 aktiv vorantrieb.
Und ausgerechnet jetzt wird Pasta neu erfunden. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Wahrheit logische Konsequenz: Wenn eine Küche kulturelles Erbe ist, darf sie nicht erstarren. Sie muss sich weiterentwickeln. Pasta ist dabei nicht Beilage. Sie ist Bühne.
Einer der ersten, der das Dogma infrage stellte, war Davide Scabin. Gemeinsam mit Riccardo Felicetti entwickelte er 2012 das Soufflé di Maccheroni – bewusst übergarte Pasta, die beim Backen souffliert. Serviert auf Ragù alla Milanese, vollendet mit 24 Monate gereiftem Parmesan. Ein Jahr später folgte das Dessert Bombolino di Mezzanotte, ein Krapfen aus übergarter Pasta, gefüllt mit Zitronencreme.
Kurz gesagt: Pasta muss nicht al dente sein. Sie muss Sinn ergeben. Scabin bewies, dass Garzeit kein Dogma ist, sondern dramaturgisches Werkzeug. Pasta wurde zur Textur-Architektur. Zum kulinarischen Medium.
Ein besonders spannendes Beispiel kommt aus Williamsburg. JR & Son sieht aus wie ein Relikt der Siebziger: rote Lederbänke, dunkles Holz, Checkerboard-Floor. Doch auf dem Teller passiert Zukunft. Spaghetti & Meatballs schmecken wie Erinnerung und doch neu geboren. Arancini werden zu crouton-großen Texturspielen. Chicken Parm bekommt Sesam im Crumb. Rainbow Cookie wird vegan mit Kokos statt Mandel. Nostalgie dient als Bühne. Innovation ist der Plot. Hier zeigt sich ein Trend, der auch für Europa relevant ist: Nicht die Dekonstruktion steht im Mittelpunkt, sondern die intelligente Weitererzählung.
Doch Scabin ist kein Solitär. Italien erlebt gerade eine Phase radikaler Neudeutung. Massimo Bottura dekonstruiert mit „Five Ages of Parmigiano“ ein einziges Produkt in fünf Texturen, eine intellektuelle Hommage an Handwerk und Erinnerung.
Gualtiero Marchesi, der geistige Vater der modernen italienischen Küche, verband Design, Reduktion und Hochtechnologie lange bevor „Molekular“ zum Schlagwort wurde.
Niko Romito transformiert mit ALT Stazione del Gusto Autobahnraststätten in kulinarische Labore. Fried Chicken mit Michelin-Denken.
Gabriele Bonci verlängert Teigführungen, arbeitet mit Wildhefen und Spezialmehlen, Pizza al taglio als Präzisionsarbeit.
Stefano Callegari erfindet mit dem Trapizzino eine Hybridform aus Sandwich und Pizza, Tradition in neuem Format. Restaurants wie Kissa Tanto kombinieren Tajarin mit Ramen-Denken, Lasagne mit Miso, italienische Struktur trifft japanisches Umami. Die Botschaft ist klar: Italienisch heißt nicht konservativ. Italienisch heißt selbstbewusst.
Parallel zur Avantgarde verändert sich auch die professionelle Infrastruktur. Mit LA PASTERIA® bringt Hilcona eine Premiumlinie nach Österreich, die zeigt, wie Produktionsintelligenz Haute Cuisine unterstützen kann. Der Gran Raviolo mit rund 60 Prozent Füllungsanteil, extrudiert aus Hartweizengrieß und Freiland-Ei, bietet konstante al-dente-Struktur bei maximaler Kreativfreiheit. Varianten wie Fondue & Chasselas Romand übertragen Terroir in eine formstabile Pasta-Architektur. In Zeiten von Personalknappheit ist das kein Convenience-Produkt. Es ist strategische Präzision.
Was verbindet all diese Ansätze?
Selbst klassische Formen wie Pici – einst handgerollt bei Raumtemperatur – werden heute bewusst unregelmäßig inszeniert, um Ursprünglichkeit sichtbar zu machen. Imperfektion als Statement.
Nicht „Pasta neu“ ist die Geschichte. Die Geschichte ist: Pasta wird ernst genommen. Sie ist kein Zwischengang mehr. Sie ist Identitätsträger, Experimentierfeld, Umsatztreiber, Signature-Moment. Und vielleicht liegt genau darin die Ironie der UNESCO-Anerkennung: Je stärker eine Küche als kulturelles Erbe geschützt wird, desto mutiger darf sie sich entwickeln.
Pasta war nie nur al dente. Sie war immer Idee. Und wer sie heute neu denkt, schreibt nicht gegen Italien. Sondern für seine Zukunft.
Geboren 1965 in Rivoli, prägte mit Combal.Zero die italienische Avantgarde. Zwei Michelin-Sterne, Platz 28 der World’s 50 Best Restaurants, ESA-Weltraumgerichte und intensive Forschung zu Pasta-Texturen. Er gilt als einer der radikalsten Denker der italienischen Küche und als jemand, der Tradition nicht bricht, sondern durchdringt.
Über 500 eingereichte Öle, 20 Finalisten und ein Sieger: Gault&Millau kürte erneut die besten Steirischen Kürbiskernöle g.g.A. Doch die eigentliche Frage lautet: Was macht ein wirklich gutes Kürbiskernöl aus? Von Farbe und Röstnote bis Herkunftsschutz und richtiger Verwendung in der Küche.
Mit der Initiative Wir trinken steirisch setzt Wein Steiermark ein starkes Zeichen für Herkunft, Regionalität und gelebte Weinkompetenz. Für Gastronom und Gastgeber entsteht daraus mehr als eine Kampagne: steirischer Wein wird zum Erlebnis, zur Empfehlung am Tisch und zum strategischen Werkzeug für mehr Sichtbarkeit, Wertschöpfung und regionale Identität.
Die Gostilna Rajh in Bakovci nahe Murska Sobota gilt als kulinarischer Botschafter der slowenischen Region Prekmurje. Tanja, Damir und Leon Pintarič zeigen, wie traditionelle Gerichte wie Lángos, Bograč, Essigfleisch und Prekmurska gibanica mit moderner Handschrift und echter Gastfreundschaft zu einem kulinarischen Reiseziel werden, nur kurz hinter der österreichischen Grenze.
Italien wurde 2025 offiziell UNESCO-Weltkulturerbe – kulinarisch. Nicht ein Gericht. Nicht ein Produkt. Eine ganze Küche. Als „System sozialer Praktiken, regionaler Traditionen und kollektiver Rituale“. Die Initiative für diese historische Anerkennung wurde maßgeblich vom traditionsreichen Kulinarikmagazin La Cucina Italiana angestoßen, dessen Chefredakteurin Maddalena Fossati Dondero den internationalen Vorstoß zur UNESCO-Listung italienischer Kochkultur seit 2020 aktiv vorantrieb.
Und ausgerechnet jetzt wird Pasta neu erfunden. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Wahrheit logische Konsequenz: Wenn eine Küche kulturelles Erbe ist, darf sie nicht erstarren. Sie muss sich weiterentwickeln. Pasta ist dabei nicht Beilage. Sie ist Bühne.