
„Ich möchte weg von Desserts mit dutzenden Komponenten. Lieber weniger, dafür komplexer, intensiver, präziser. Reduktion ist kein Trend, sie ist Haltung.“
Jakob Szedonja, Head Pastry Chef, Das Central, Sölden
Vegane & zuckerreduzierte Desserts, die halten, glänzen – und Gäste überzeugen: Zucker ist nicht der Feind, aber auch nicht die Lösung. Moderne Patisserie denkt weiter – präziser, pflanzlicher, bewusster.
Weg vom „Zucker = Geschmack“-Reflex, hin zu Textur-Intelligenz, Aromaführung und sauberer Technik. Moderne Patisserie funktioniert vegan, zuckerreduziert – und oft völlig ohne klassischen Haushaltszucker. Entscheidend sind Matrix, Prozess und Kalkulation. Über Desserts, die professionell performen: stabil, präzise, hoch aromatisch.
„Von Verzicht kann man heute kaum noch sprechen“, sagt Jakob Szedonja, Head Pastry Chef, Das Central, Sölden. Und somit die beste Nachricht zuerst: Der Gast soll nichts „vermissen“. Ziel ist Aromadichte bei kontrollierter Süße. Viele Häuser fahren erfolgreich eine Low-Sugar-Linie, manche Komponenten sogar vegan – ohne dass es der Gast merkt. Reduktion heißt: weniger Bausteine, dafür komplexer gedacht, präziser ausgeführt.
Dominik Fitz, Inhaber von Einfach Fitz – Die Zuckerbäcker, ergänzt: Wer mit vollreifen Früchten arbeitet, spart oft bereits Haushaltszucker – „der Unterschied zwischen grüner und vollreifer Banane ist sensorisch enorm“. Und: „Der süße Küchengang ist Lifestyle – weniger Zucker, mehr Bewusstsein und Wertschätzung.“
Zucker ist nicht nur Süße. Er beeinflusst:
Die Funktionen sollten gezielt ersetzt werden:
„Die Vielfalt an Pektinen ist enorm – man kann heute Texturen sehr präzise bauen“, erklärt Szedonja.
Strukturgeber & Emulgatoren
„Marillen-Propolis-Kombucha bringt Dynamik und balanciert dominante Komponenten“, sagt Szedonja – und beschreibt damit treffend, wie Fermentation Geschmack neu definiert. Kombucha-Gelees, veganisierte Kefir-Sorbets oder Koji-Crumbles liefern nicht nur Säurekomplexität und Umami-Tiefe, sondern verleihen Desserts auch erzählerische Kraft: Sie stehen für Handwerk, Zeit und Präzision. In Kombination mit feinen Salznoten – etwa Miso-Dulce-de-Leche, Olivenkrokant oder Selleriesamen – entsteht eine aromatische Spannung, die Süße abrundet und das Geschmackserlebnis vervollständigt.
Fitz weiß, dass Zuckerreduktion nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Kalkulation ist: „Weißen Zucker zu ersetzen – etwa im Eis – ist letztlich auch eine Preisfrage. Wenn die Zielgruppe bereit ist, mehr zu zahlen, lohnen hochwertige Alternativen.“ In der Praxis empfiehlt es sich, ein zweistufiges Konzept zu denken: eine Core-Linie, die wirtschaftlich und zuckerreduziert bleibt, und eine Highlight-Linie, in der mit seltenen Zutaten, Fermenten und hohem Handarbeitsanteil gearbeitet wird. In der Kommunikation gilt für ihn ein klares Prinzip – Genuss vor Dogma. Begriffe wie „bewusst“, „reduziert“ oder „pflanzenbasiert“ sollen inspirieren, nicht missionieren.
Karottensaft lässt sich zu einem natürlichen Süße- und Farbkonzentrat verwandeln: „Wenn man den Saft von Karotten einreduziert, ergibt sich eine wunderbare Süße, mit der man klassischen Haushaltszucker wegrationalisieren kann. Der Gast merkt unterm Strich sicher keinen Unterschied.“ Dafür 100 % Direktsaft langsam auf 35–45 % einkochen, fein sieben und in Cremes oder Glasuren einarbeiten. Schon 5–12 % Anteil genügen, um Farbe, Frische und runde Süße zu bringen – ganz ohne zugesetzten Zucker.
Zucker zu reduzieren – oder ihn ganz bewusst durch pflanzenbasierte Alternativen zu ersetzen – ist längst kein Trendthema mehr, sondern ein klares Handwerksstatement. Wer Reifegrade nutzt, Säure und Fett gezielt komponiert, die Funktionen des Zuckers technisch versteht und Texturen präzise aufbaut, schafft Desserts, die zeitgemäß, stabil und charakterstark sind.
Vegane Patisserie steht dabei nicht im Gegensatz zu Genuss, sondern beweist, dass Pflanzlichkeit, Präzision und Emotion perfekt harmonieren können. Es geht weniger um Verzicht als um Transformation – um Desserts, die nachhaltiger entstehen, bewusster schmecken und zugleich wirtschaftlich durchdacht sind. Vegan und „low sugar“ sind keine Etiketten – sie sind das Ergebnis guten Handwerks, das Haltung zeigt.
Im September spielt der 5.000 Quadratmeter große Permakultur-Garten des Falkensteiner Balance Resorts Stegersbach sein volles Potential aus. Dann ist nicht nur Hotelgärtner Paul Aschberger gefordert, sondern auch Küchenchef Philipp Wildling. Der dreht den Spieß kurzerhand um – und erklärt den September zum veganen Monat: Die plant-based Optionen werden mehr und „herkömmliche“ Ernährungsformen mit Fleisch und Milch zur Alternative. Bei einer Auswahl von über 60 Obst- und Gemüsesorten sowie Kräutern und essbaren Blüten hat Wildling leichtes Spiel.
Vegane & zuckerreduzierte Desserts, die halten, glänzen – und Gäste überzeugen: Zucker ist nicht der Feind, aber auch nicht die Lösung. Moderne Patisserie denkt weiter – präziser, pflanzlicher, bewusster.
Weg vom „Zucker = Geschmack“-Reflex, hin zu Textur-Intelligenz, Aromaführung und sauberer Technik. Moderne Patisserie funktioniert vegan, zuckerreduziert – und oft völlig ohne klassischen Haushaltszucker. Entscheidend sind Matrix, Prozess und Kalkulation. Über Desserts, die professionell performen: stabil, präzise, hoch aromatisch.