Sommertourismus 2025

Wie Österreichs Hotellerie jetzt vom Wandel profitiert – Trends, Zahlen & ein Best-Practice aus Oberlech
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Alexandra Gorsche © Conny Leitgeb Photography
13. Juni 2025 | 
Alexandra Gorsche

Der Sommertourismus in Österreich erlebt einen Aufschwung – doch nicht ohne Herausforderungen. Zwischen geopolitischer Unsicherheit, klimatischen Veränderungen und veränderten Gästebedürfnissen muss sich die Branche neu erfinden. Warum „Coolcation“, Intentional Travelling und Retreat-Angebote künftig den Unterschied machen – und wie ein Hotel am Arlberg bereits als Vorbild dient.

Sommertourismus in Österreich: Aufschwung mit doppeltem Boden

2023 erzielte der österreichische Sommertourismus einen neuen Höchststand: Mit 16,6 Milliarden Euro übertraf die Sommersaison sogar die traditionsstarke Wintersaison (13,3 Milliarden Euro). 45 Millionen Gäste sorgten für rund 151 Millionen Übernachtungen. Doch die positiven Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Rahmenbedingungen ändern – und damit auch die Erwartungen an Tourismusbetriebe.

Die Österreich Werbung beschreibt die Lage als „von Unsicherheit geprägt“: globale Spannungen, hohe Lebenshaltungskosten, geopolitische Risiken. Dennoch bleibt die Reisebereitschaft in den wichtigsten Herkunftsmärkten ungebrochen.

Neue Gäste, neue Prioritäten

Die aktuellen Reisetrends zeigen, dass sich das Verhalten der Gäste in mehreren Bereichen wandelt:

  • „Coolcation“ statt Hitzeflucht: Immer heißere Sommer lassen kühlere Regionen wie alpine Destinationen wieder attraktiver erscheinen.
  • „Intentional Travelling“: Gäste reisen bewusster, nachhaltiger und mit konkretem Mehrwertwunsch.
  • „Soft Travel“ und „JOMO“ (Joy of Missing Out): Entschleunigung, Authentizität und Erlebnisqualität rücken in den Fokus.
  • „Taste Hunting“ und „Jetflix & Chill“: Kulinarik und entspannende Unterhaltung als zentraler Urlaubsinhalt.
  • Digital beeinflusst: KI-gestützte Reiseplanung, Empfehlungen über soziale Netzwerke und Micro-Influencer-Content beeinflussen Entscheidungen maßgeblich.

Die Bedeutung internationaler Besucher:innen bleibt dabei hoch: 2023 generierten sie Einnahmen von über 22 Milliarden Euro – ein enormer Beitrag zur österreichischen Leistungsbilanz.

Herausforderungen für die Branche

Parallel zum Wachstum steigen die Anforderungen:

  • Fachkräftemangel: Mit nur 5.975 Lehrlingen im Tourismusbereich (Stand 2022) fehlt es massiv an Nachwuchs.
  • Demografischer Wandel: Weniger junge Menschen, erhöhte Ansprüche an Work-Life-Balance.
  • Nachhaltigkeit und Positionierung: Gäste erwarten umweltfreundliche Konzepte, transparente Kommunikation und emotionale Markenbindung.

Der Tourismus-Satellitenbericht zeigt, dass 2022 der Anteil des Tourismus am BIP bei nur noch 3,8 % lag – vor der Pandemie waren es 5,5 %. Es braucht innovative Angebote und Erlebnisse, um wieder an frühere Stärke anzuknüpfen.

Best Practice: Hotel Goldener Berg, Oberlech

Wie sich die Theorie in der Praxis erfolgreich umsetzen lässt, zeigt das Beispiel Hotel Goldener Berg in Oberlech. Gastgeberin Daniela Pfefferkorn setzt mit ihrem Team auf ein ganzheitliches Sommerkonzept, das exakt die aktuellen Gästebedürfnisse trifft:

Ganzheitliches Angebot statt nur „Übernachtung“:

  • Retreats mit Coaches, tägliches Yoga, Alpenbaden, Gezeitenwandern
  • Individuell abgestimmte Ernährung (klassisch, vegan, basisch, ketogen)
  • Erweiterter Mountain Spa mit Infinitypool, Yogadecks und Selfcare-Zonen
  • 5-Elemente-Wochenprogramm nach den Prinzipien von Wasser, Feuer, Erde, Luft & Licht

Attraktive Ansprache und clevere Pakete:

  • 4=3 Special für Frühbucher
  • Personalisiertes Erleben statt Einheitsprogramm
  • Kombination aus Natur, digitaler Inspiration und Retreat-Komfort

Storytelling mit Tiefe:

  • Authentische Gastgeberpersönlichkeit
  • Gelebte Werte wie Achtsamkeit, Energiearbeit und „Spüren statt Tun“

Dieses Modell trifft exakt den Nerv der Zeit – und bietet wertvolle Inspiration für andere Häuser, wie sich Marken emotional aufladen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich aufstellen lassen.

Vom Beachclub inspiriert: Wie Erika’s Garden Club den Alpensommer neu definiert

Dass sich dabei auch völlig neue Erlebnisformate etablieren, zeigt ein weiteres Vorzeigebeispiel: Erika’s Garden Club im Erika Boutiquehotel Kitzbühel. Der Sommer-Hotspot bringt den lässigen Vibe eines Beach Clubs in die Tiroler Alpen – samt Live-DJ, Cocktails, Garden Lounge und Naturteich. Stilvolles Design trifft auf kulinarische Leichtigkeit und lädt gleichermaßen Hotelgäste wie Tagesbesucher:innen zu unbeschwerten Stunden unter freiem Himmel.

  • Live-Sounds und Sundowner statt Après-Ski
  • Champagner und Signature-Snacks statt Buffetromantik
  • Naturgenuss und Design als Inszenierungselemente

Dieses Konzept steht exemplarisch für eine neue touristische Ausrichtung, die Community, Design, Genuss und Leichtigkeit miteinander verwebt – eine elegante Antwort auf den Wunsch nach bewussten, aber ungezwungenen Urlaubserlebnissen.

Unser Fazit: Zukunft des Sommertourismus – bewusst, kuratiert, ganzheitlich

Wer Sommergäste begeistern will, muss weit über das klassische Beherbergungskonzept hinausdenken. Die Zukunft liegt im kuratierten Erlebnis:

  • Themenfokussierte Angebote statt austauschbarer Standardprogramme
  • Verknüpfung von Natur und digitaler Kommunikation
  • Flexibilität bei Aufenthaltslängen und Buchungsmodellen
  • Erlebnisinszenierung und Identitätsbildung – wie beim Goldenen Berg, wo „Me-Time“ nicht bloß ein Marketingbegriff ist, sondern gelebtes Konzept

Die große Chance liegt darin, dass gerade alpine Regionen klimatisch, infrastrukturell und emotional beste Voraussetzungen mitbringen – wenn sie sich jetzt mutig weiterentwickeln.

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Erika’s Garden Club, Foto beigestellt
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