Hospitality trifft Kunst

Wie kreative Inszenierung Gäste wirklich berührt
© Miriam Schnyder
© Miriam Schnyder
Miriam Schnyder
20. Februar 2026 | 
Miriam Schnyder

Kunst ist längst mehr als ein dekoratives Element, sie wird zunehmend zum strategischen Instrument für Markenbildung und Gästeerlebnis. Gerade im Hospitality-Bereich zeigt sich, wie kraftvoll kreative Inszenierungen wirken können: Sie verwandeln Räume in emotionale Begegnungsorte, erzeugen Identifikation und bleiben im Gedächtnis.

Wer heute Atmosphäre schaffen will, muss über Farben und Formen hinausdenken und Geschichten erzählen, die berühren. Der folgende Beitrag beleuchtet, wie Design und Kunst gezielt eingesetzt werden können, um Gäste nicht nur zu empfangen, sondern nachhaltig zu begeistern.

Kunst als strategisches Stilmittel in der Hotellerie

Kunst wirkt nicht zufällig – sie beeinflusst bewusst. Wer den Raum kuratiert, steuert auch die Wahrnehmung. In der gehobenen Hotellerie hat sich Kunst vom rein ästhetischen Beiwerk zum strategischen Stilmittel entwickelt. Sie prägt nicht nur das visuelle Erlebnis, sondern auch die emotionale Verbindung, die Gäste mit einem Haus eingehen. Dabei geht es nicht um beliebige Gemälde an der Wand, sondern um gezielte Inszenierungen, die Haltung zeigen, Differenzierung schaffen und den Charakter eines Hauses authentisch transportieren.

Ästhetik ist heute mehr als nur Dekoration

Ästhetik entscheidet über erste Eindrücke – und über die Qualität der Erinnerung. In der Hotellerie bedeutet das: Gestaltung ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Positionierung. Wer heute ein Hotel betritt, möchte mehr als nur einen funktionalen Raum – gesucht werden Inspiration, Atmosphäre und ein Gefühl von Bedeutung. Räume mit künstlerischer Handschrift erzeugen genau diesen Mehrwert: Sie bleiben im Kopf, weil sie nicht austauschbar sind.

Dekorative Einheitslösungen wirken dagegen beliebig. Kunst schafft Kontext, sie lädt ein zur Auseinandersetzung, schafft Gesprächsanlässe und gibt Räumen Tiefe. Besonders im Luxus- oder Boutique-Segment werden Räume so zu Bühnen, auf denen Geschichten erzählt und Werte vermittelt werden. Kuratierte Konzepte machen den Unterschied – sie setzen Signale, zeigen Mut zur Persönlichkeit und demonstrieren ein neues Verständnis von Gastfreundschaft.

Kunst macht Markenidentität spürbar

Kunst spricht nicht nur das Auge an, sondern transportiert Haltung. Genau darin liegt ihr Potenzial für Marken, die nicht laut, sondern langfristig wirken wollen. Hotels, die mit Künstler:innen zusammenarbeiten oder sogar eigene Kollektionen integrieren, zeigen Profil – nicht über Logos, sondern über Inhalte. Der visuelle Stil wird so zur sinnlich erlebbaren Verlängerung der Corporate Identity.

Besonders erfolgreich sind Ansätze, bei denen Kunst gezielt in das Markenkonzept eingebettet wird: etwa durch Werke lokaler Künstler, saisonale Installationen oder raumspezifische Kompositionen. So entsteht ein Narrativ, das sich durch das gesamte Haus zieht, von der Lobby über die Zimmer bis zum Spa. Gäste spüren: Hier wurde nicht bloß gestaltet, hier wurde gedacht. Und genau das macht Marken heute unverwechselbar.

Räume erzählen Geschichten und Gäste erinnern sich

Erlebnisräume sind keine Zufallsprodukte. Sie entstehen dort, wo Design, Inhalt und Emotion ineinandergreifen. Kunst im Interior übernimmt dabei eine Schlüsselfunktion: Sie schafft Bedeutung jenseits von Funktion – und macht Aufenthalte erinnerbar. Wer als Gastgeber:in überzeugen will, sollte nicht nur Zimmer gestalten, sondern Erzählräume inszenieren, die Botschaften transportieren und Menschen berühren.

Was Gäste wirklich abspeichern, ist oft nicht messbar – aber spürbar:

  • Ein Glasbild im Eingangsbereich, das die Geschichte des Hauses aufgreift, schafft sofort Identifikation
  • Ein individuell gestaltetes Bad mit Kunst an der Wand wird zur privaten Galerie und verwandelt Alltag in Erlebnis
  • Ein thematisch kuratierter Frühstücksraum kann als visuelles Storytelling wirken – etwa zu regionaler Kultur, Natur oder Handwerkskunst
  • Ein Farbkonzept, das sich durchzieht, verleiht Orientierung und erzeugt unterbewusst ein Gefühl von Kohärenz
  • Eine temporäre Ausstellung lokaler Künstler:innen zeigt Verbundenheit mit dem Standort und bietet Gesprächsanlässe – nicht nur für Gäste, sondern auch fürs Team

Unser Fazit

Solche Details sind mehr als visuelle Highlights. Sie bleiben emotional haften, weil sie eine Geschichte erzählen – und zwar leise, aber eindrücklich. Räume, die so gestaltet sind, werden zu Erlebnisorten mit Charakter, an die man sich nicht nur erinnert, sondern zu denen man zurückkehren möchte.

Aus dem Genusspunkt 3/2025

Copyright zu den verwendeten Beitragsbildern:
© Miriam Schnyder

Design Darling

Charakter zeigen

Wo Ästhetik, Materialkompetenz und Haltung zusammenspielen: Nicht das Lauteste bleibt – es ist das Authentische. Design überzeugt, wenn Funktion, Sinnlichkeit und Verantwortung eine gemeinsame Sprache finden – und wenn Nachhaltigkeit mehr bedeutet als ein Label.

Vom Denkmal zum Designhotel

Boutiquehotel Traube Rattenberg

Nach fünf Jahren Sanierung ist die Traube Rattenberg wieder geöffnet – und verbindet als Boutiquehotel meisterhaft Denkmalschutz, Design und gelebte Gastlichkeit. Ein Haus, das Geschichte nicht nur bewahrt, sondern erlebbar macht.

Design Darling

Produkte, die Charakter zeigen

Charakter entsteht durch Haltung, Formbewusstsein, durch Details, die mehr sagen als tausend Worte. Ob stilvoll im besten Licht, Porzellan mit Haltung oder vier Beine, viele Möglichkeiten.

quick & dirty
Art X on Glass © Miriam Schnyder
Hospitality trifft Kunst

Kunst ist längst mehr als ein dekoratives Element, sie wird zunehmend zum strategischen Instrument für Markenbildung und Gästeerlebnis. Gerade im Hospitality-Bereich zeigt sich, wie kraftvoll kreative Inszenierungen wirken können: Sie verwandeln Räume in emotionale Begegnungsorte, erzeugen Identifikation und bleiben im Gedächtnis.

Wer heute Atmosphäre schaffen will, muss über Farben und Formen hinausdenken und Geschichten erzählen, die berühren. Der folgende Beitrag beleuchtet, wie Design und Kunst gezielt eingesetzt werden können, um Gäste nicht nur zu empfangen, sondern nachhaltig zu begeistern.